3. Geburtstag ohne Geburtstagskind

"Ich sage Jesus, er soll Samuel einen Fußball von Deutschland schenken. Und er bekommt eine riiiiieeeesige Geburtstagstorte..."

Das sagte Ben am 9. Juni über seinen kleinen Bruder im Himmel.

Es war Samuels 3. Geburtstag. Wir haben gefeiert. Ohne ihn.

Wir sind so unendlich dankbar, dass wir diesen Tag haben. Den Tag, an dem wir uns einfach freuen können, dass Samuel bei uns war. Wir feiern sein Leben. Und so kurz es auch war, es war ein wertvolles Leben.

Wir feiern unser Wunder. Genauso wie die anderen Wunder. Mit Kuchen, Happy Birthday, Kerzen, Lachen und Zusammensein.

Ich habe schon an seinem ersten Geburtstag gemerkt, dass dieser Tag wirklich ein fröhlicher ist. Wir sind ausgelassen und in Feierlaune. Der Todestag ist da ganz anders. Dann muss ich daran denken, dass für viele andere Kinder der Geburts- auch der Todestag ist. Vielleicht feiert auch nicht jeder den Geburtstag eines Menschen, der gestorben ist. Das verstehe ich. Den Geburtstag meiner Schwester, der nur vier Tage vor Samuels liegt, empfinde ich nicht als Feiertag.

Aber bei Samuel ist das anders. Für uns ist es ein unglaublich großes Wunder, dass er einen Geburtstag hat... 80% der Kinder mit Trisomie 18 schaffen das nicht. Und für viele weitere entscheiden sich die Eltern dagegen.

Doch wir feiern sein Leben.

Der Tag davor

... war trotzdem echt schwer.

Ich stand in der Küche und hatte plötzlich diese Bilder vor Augen: OP, allein im Kreißsaal, mit Fingerspitzen mein winziges Baby im Inkubator berühren, Tränen.

Am Nachmittag - ich weiß gar nicht mehr, was der Auslöser war - begann ich einfach zu weinen. Hannah fragt mich, was los ist, und ich sage ihr, dass es mich traurig macht, dass Samuel nicht mitfeiern kann. Ihr Kinn zittert. Ihre Augen werden rot. Wir weinen zusammen.

Ich versuche, den Tisch für das Abendbrot zu decken. Alex kommt rein und ich kann mein Schluchzen nicht mehr zurückhalten. Ich heule sein Hemd nass, wie ich es schon lange nicht mehr gemacht habe. Hannah kommt dazu. Wir weinen wieder zusammen.

Ben kommt rein und fragt, was los ist. "Mama vermisst Samuel." Er spielt mit seinem Ball weiter. Irgendwann sagt er: "Ihr seid nicht die einzigen, die Samuel vermissen." - Ja, mein Schatz, ich weiß. Manchmal denke ich, dass die Trauer der Kinder erst mit der Zeit bewusster wird. Ich beschließe neu, mich um eine Familien-Reha für verwaiste Familien zu bemühen.

Zwei Nachrichten auf dem Handy:

"Regina, wie geht es dir?"
"Ich habe Gott gefragt, für wen ich heute beten soll. Und du warst es."

Ja, ich weiß warum. Weil mein Gott so gut zu mir ist. Einmal mehr wurden wir vom Gebet anderer getragen. Und sie wussten nicht mal, was für ein Tag uns bevorstand.

Samuels Party

Dann kam der Geburtstag und die Schwere war weg. Ich war müde und hatte etwas Kopfschmerzen. Aber ich war fröhlich.

Mittags haben Emma und ich Hannah vom Kindergarten abgeholt. Sie saß bei ihrer Erzieherin auf dem Schoß. Fast den ganzen Tag über. Sie hatte extra ein Herzchen-Shirt und eine Strumpfhose mit Herzen angezogen und darüber ein Kleid mit einem Vogel.

Ich trug mein "Samuel-Kleid". Das grüne, das ich auch schon zur Beerdigung anhatte.

Wir holten Ben ab und machten uns dann auf, um noch einige Dinge für den Geburtstagskuchen zu besorgen. Grüne Streusel sollten es sein. Und Kerzen.

Während der Kuchen im Ofen stand, malte Hannah zwei Bilder für ihren kleinen Bruder. Ben auch, als die Hausaufgaben endlich erledigt waren. Und dann haben sich die beiden am Kuchen kreativ ausgetobt. Dabei ist ein wunderschöner und super leckerer Kuchen herausgekommen.

Nach einer kurzen Infoveranstaltung in der Schule fuhren wir zum Friedhof. Ein Picknick gehört selbstverständlich dazu. Diesmal gab es Wassermelone. Die weißen Blümchen sollen noch eingepflanzt werden.

Emma machte es sich auf dem Grab gemütlich. Sie fand das alles ganz spannend. Danach war nur noch Zeit für das Abendessen und Schlafengehen.

Doch die Mami ist noch zu einem Mädelsabend gefahren. Ein Mädelsabend der besonderen Art. Ich war unsicher, wie ich das Zusammensein mit anderen verkraften würde, aber es war wirklich gut. Es hat mir gutgetan in jeder Hinsicht. Wir haben gegegessen und gelacht. Geredet und gebetet.

Ich kann in jedem Winkel meines Lebens sehen, wie gut Gott es mit mir meint. Obwohl er doch schon am Kreuz alles für mich gegeben hatte. Das einzige, was ich tun kann, ist Danke sagen.

Ich bin beschenkt.

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Ganz viele Herzen für Samuelchen.

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Samuel ist mit Jesus im Himmel und wir anderen sind unten.

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Emma muss sich ja auch irgendwie beschäftigen. Das Sofa ist ihr Lieblingsspielplatz, was Mama immer wieder Schreckmomente beschert.

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Der Geburtsgskuchen aus Bens Perspektive.

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Und Hannah durfte natürlich auch mal.

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Noch ein letztes Bild von der Mama, bevor die Kerzen angezündet werden.

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Happy Birthday, kleiner Vogel <3 RN_13060

Unser traditionelles Picknick auf dem Friedhof.

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Emmi hat sich immer wieder direkt auf das Grab gesetzt und hatte unglaublich viel Spaß!

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Übrigens hat da jemand seine Schneidezähne verloren 🙂
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Auch auf einem Friedhof kann man Spaß haben. Schließlich sind wir zum Feiern hier!!

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Geschafft...

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Bilder von Samuels 1. und 2. Geburtstag

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