9 Tage ohne Papa – Spielen und andere Überlebensstrategien

Bevor Alex zur Klassenfahrt nach Südtirol aufbrach, verabschiedete er sich am Freitagmorgen mit leckeren Pancakes von uns. Sein Bus fuhr zwar erst am Abend, aber er war noch mit den Abiturienten auf einer Wanderung und dann beim Abschiedsgrillen. Es war wohl gut, dass er zwischendurch nicht nach Hause gekommen ist, denn da wir uns sowieso jeden Morgen verabschieden, war der Abschied nicht so dramatisch, wie ich befürchtet hatte. Das "Papa, du sollst nicht fahren" wich dem Gebet, dass uns die Zeit wie ein Tag vorkommen würde.

Ganz so war es leider nicht, aber es lief viel besser als erwartet. Das Wochenende war super entspannt. Die Kinder haben ganz viel miteinander gespielt, es war friedlich und harmonisch, sodass ich Zeit hatte, die Wohnung sauber zu machen. Ordnung ist mir besonders wichig, wenn viel auf mich zukommt, also mussten erst einmal die Voraussetzungen geschaffen werden.

Am Sonntag waren wir zu viert im Gottesdienst und dann haben wir leckere Wraps genossen. Am Nachmittag haben wir zusammen mit meiner Freundin Julia und ihrem Henri auf dem Spielplatz gepicknickt. Diese kleinen Besonderheiten.

Am Montag ging der Alltag los und ich hatte wirklich Respekt davor. Ich war es ja gewohnt, die Kinder morgens allein fertig zu machen, den Vormittag mit Emma zu verbringen und dann mittags die Großen abzuholen, für sie zu kochen, Instrumente üben. Doch ausgerechnet diese Woche war anders. Hannahs Kindergarten hat zweimal im Jahr eine Waldwoche. Ich musste sie später hinbringen und später abholen. Die Routine war also dahin.

Ich bin recht gut gestartet. Auch die Abendroutine, die mir allein oft schwerfiel, lief (an den meisten Tagen) sehr ruhig. Sobald die Kinder im Bett waren, fiel ich allerdings auf das Sofa und stand lange nicht mehr auf.

Der Dienstag war sehr voll mit schönen Dingen wie Lenas Geburtstagsfrühstück und am Nachmittag haben wir einen Ausflug in unser liebstes Bastelgeschäft gemacht. Schön, aber auch... puh. Der Mittwoch war dann wieder ruhiger. Wir haben zusammen Geschenke für Emma genäht. Allerdings bin ich nicht dazu gekommen, zur Kamera zu greifen. Ich habe nur wenige Fotos in dieser Woche gemacht und auch nur mit dem Handy, um den Papa auf dem Laufenden zu halten.

Den Donnerstag werde ich so schnell wohl nicht vergessen. Ich bin mit den Uhrzeiten so durcheinander geraten, dass mich irgendwann eine Erzieherin anrief, um mich zu fragen, wann ich meine Tochter abholen würde. Mich traf der Schlag. Ich hatte mich um eine Stunde vertan, habe mich gefühlt als hätte ich eine Stunde verloren. Dadurch, dass Ben mal vier mal fünf Stunden hat, war ich völlig durcheinander gekommen. So etwas Peinliches war mir schon lange nicht mehr passiert. Später waren wir auf dem Spielplatz verabredet und es fiel mir schwer, den Wind zu ignorieren. Eigentlich war mir nach Badewanne, aber ich musste mich mit einer heißen Dusche begnügen.

Am Freitag stand auf dem Plan: putzen, dekorieren, backen und Geschenke für Emmi einpacken, denn sie würde morgen zwei Jahre alt werden. Was dann wirklich passiert ist: fiebernde Emmi herumtragen, Hannahs Schmerzen an Knie und Kopf wegpusten, jemanden organisieren, der Ben von der Schule abholt, da Emma gerade auf meinem Bauch eingeschlafen war. Die Deko und das Einpacken der Geschenke haben wir dann auch noch geschafft. Aber der Putzlappen und der Backofen waren dann nicht mehr in Gebrauch.

Emmas kleine Gartenparty mit ihren Freunden mussten wir absagen, weil sie immer noch Fieber hatte. Was wir stattdessen gemacht haben, erzähle ich euch in den nächsten Tagen noch. Wir haben das Beste aus dem Tag gemacht. Aber noch schöner war dann der Sonntag, an dem wir den Papa wiederhatten und mit ihm zusammen dann nochmal richtig unsere kleine "P'essin" feiern konnten.

Das waren also 9 lange Tage in aller Kürze.

Ich bin verwöhnt mit der Anwesenheit und der Unterstützung meines Liebsten. Den Alltag allein zu schmeißen, habe ich nie wirklich gelernt. Außerdem neige ich dazu, schnell zu verzweifeln, wenn viel los ist. Ich fühle mich überfordert und würde mich am liebsten zurückziehen. Das geht aber nicht, wenn man allein mit drei Kindern ist.

Die folgenden Dinge helfen mir, durchzuatmen und Kraft zu schöpfen:

  • Vor den Kindern aufstehen und fertig machen. Das gelingt mir allerdings nicht immer. In dieser Woche habe ich am Montag sogar vergessen, den Wecker zu stellen. Normalerweise weckt Alex mich immer, kurz bevor er aus dem Haus geht. Diesmal hat Ben mich gerade noch rechtzeitig geweckt, weil er mich was "super Wichtiges" fragen musste.
  • Ein entspanntes Frühstück. Emma und ich frühstücken immer erst, nachdem wir Ben und Hannah weggebracht haben, naja für Emmi ist es dann schon das zweite Frühstück. In dieser Woche war auch Hannah dabei, da sie später zum Wald gebracht werden musste. Ich nehme mir Zeit für meinen Latte Macchiato, dann esse ich am liebsten ein Brot mit Avocado und dann noch eins mit Nutella, welche wir nicht mehr so oft im Haus haben, weil ich den Kindern hier einfach kein Vorbild sein kann. Die Alternative von Deliciously Ella kommt mir da gerade recht.
  • Kein Gammellook. Wenn ich viel zu putzen habe, dann ziehe ich schon gerne eine Jogginghose an, aber normalerweise trage ich etwas, in dem ich mich gut und motiviert fühle. Auch ein leichtes Make-up gehört für mich dazu. Mir persönlich macht das gute Laune, auch wenn ich wirklich nicht jemand bin, der viel Zeit vor dem Spiegel verbringt. (Oft gehe ich aus dem Haus, ohne zu wissen, wie meine Haare liegen und ob ich noch etwas zwischen den Zähnen habe.)
  • Nach oben schauen. Manche Menschen brauchen die Worte eines Motivationsredners oder entwickeln ihre eigenen Sprüche, mit denen sie sich auf das konzentrieren wollen, wer sie sind und was ihnen wirklich wichtig ist. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mir viel mehr hilft, Worte im Ohr und im Herzen zu haben, die von der Größe Gottes handeln. Egal, welche Herausforderung auf mich wartet, ich bin geliebt und werde geführt und getragen. Da ich morgens zurzeit nicht dazu komme, in der Bibel zu lesen, hilft mir Musik, den Tag mit Gott zu beginnen. Entweder setze ich mich selbst ans Klavier, was ich wirklich nur tue, wenn ich allein bin oder auch manchmal mit meiner Familie, und singe, weil der Lobpreis einfach raus muss. Oder ich mache Musik an, zuerst laut, dann leiser, weil ich Stille doch sehr gerne mag. Im Moment höre ich am liebsten Lauren Daigel oder meine schon seit Jahren liebste CD "The Story". Wobei in der letzten Woche fast ausschließlich die CD von "Wo warst du?" zu hören war. Wenn die Kinder zu Hause sind, finde ich deutsche Texte besser, weil ich es genieße, sie mitsingen zu hören.
  • Um Hilfe bitten. Das fällt mir nicht leicht. Unsere Familien wohnen weit weg und wenn wir Hilfe brauchen, dann müssen wir unsere Freunde bitten. Warum ist das eigentlich so schwer? Ein Netzwerk ist für uns alle wichtig. Esther hat Ben von der Schule abgeholt, als Emma krank war, und Amy hat ihn nach Hause gebracht. Am Montag haben wir Hannahs Freundin nach dem Wald mit zu uns genommen, weil die Mama länger arbeiten musste. Von Eva habe ich mir eine Zickzack-Stoffschere ausgeliehen, um Nudeln für Emmas Küche zu machen (bald...). In den Ferien kommt die Tochter von Christina manchmal zu uns, während sie auf der Arbeit ist. Ich freue mich, wenn ich helfen kann, dann sollte ich wohl auch nicht solche Hemmungen haben, andere um Hilfe zu bitten.
  • Alles liegen lassen und spielen. Das ist eine Strategie, die ich immer wieder neu entdecken muss, weil sie so unlogisch scheint und ich sie deshalb schnell vergesse. Aber so oft habe ich gemerkt, wenn ein Tag nicht enden will, weil ich vor Müdigkeit nichts hinkriege oder mich einfach überfordert fühle, weil ich meine vielen To-Dos ständig vor Augen habe, dann ist es Zeit, alles liegen zu lassen und zu spielen. Wenn Alex da ist, dann gehe ich spazieren oder in die Badewanne oder ziehe mich mit meiner Bibel oder meinen Schreibutensilien zurück. Aber wenn ich allein mit den Kindern bin, dann setze ich mich mit ihnen auf den Boden und sehe sie an. Ich schaue ihnen beim Spielen zu und beginne selber, Türmchen zu bauen. Oder wir gehen in den Garten und essen Eis aus Sand, mit Ben spiele ich Fußball und lache so laut, wie schon lange nicht mehr. Ich sehe meine Kinder an und spiele mit ihnen. Dann ist die Welt wieder in Ordnung. Sie bringen mich zur Ruhe. Manchmal auch auf die Palme, ja. Aber meistens mache ich mir den Stress doch selbst. Mit meinen Kinder zu spielen, lehrt mich das Lachen, das Genießen, das Leben.

(Diese Bilder sind nicht in der vergangenen Woche entstanden, aber an einem Tag, der schon morgens sehr ermüdend war. Dann sagte Emma: "Mit Mama 'pielen." Und da waren wir zwei beide.

So kann es aussehen, wenn Mama auftankt.

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Was sind eure Überlebensstrategien für lange Tage? Alex ist bald wieder für vier Tage weg, da könnte ich noch ein paar Tipps gebrauchen 🙂

1 Antwort

  1. Hallo,

    letztes Jahr war mein Mann 4 Wochen zur Reha, das war echt hart.
    Wir haben auch 3 Kinder (allerdings schon älter, 8, 12,14) und ich arbeite 25 Stunden.
    Meine Strategien…
    Morgens vor den Kindern aufstehen und in Ruhe Zeitung lesen

    Mittagspause machen, ggf auch mit Nickerchen.

    Den Kindern verschiedenste Dinge zutrauen, die sie sonst nicht machen (müssen).

    Am gelegentlichen Genuss von Tiefkühlpizza ist noch keiner umgekommen, ebenso darf der Bringdienst auch mal ohne Anlass kommen.

    Ich hab mal die Arbeit “geschwänzt”. Dort natürlich frei genommen, aber den Kindern nichts gesagt und einfach die Zeit genossen.

    Abends ganz klar die Zeit im Wohnzimmer für mich beansprucht.

    Zeit für Gesellschaftsspiele und andere nette Aktionen mit den Kindern.

    In der Hinterhand tolle Schwiegereltern, die jederzeit eingesprungen wären und genug Überstunden, um zur Not eine ganze Woche frei zu nehmen.

    VG Silke

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