Ausgebremst

Seit Wochen. Eigentlich schon seit ungefähr zwei Monaten. Immer wieder, immer abwechselnd.

Ich mag nicht mehr.

Momentan bin ich mal wieder ausgebremst. Ich wechsle mich mit Emma ab, krank zu sein. Im letzten Jahr bin ich wirklich häufig krank gewesen. Im Moment plagt mich seit Wochen eine Nasennebenhöhlenentzündung. Morgen werde ich zum CT geschickt... Da fragte mich die Arzthelferin, ob ich schon mal irgendwo beim Radiologen war. - Nein, noch nie.... - Dann macht sie den Termin und am anderen Ende der Leitung sagt man: Ja, die kennen wir schon. ... Ich kann mich immer noch nicht daran erinnern 🙂

Seit Wochen in Startposition

Ich fühle mich, als stünde ich in den Startlöchern, bereit für den Marathonlauf 2017. Ich habe mich vorbereitet und bin ich hochmotiviert. Aber irgendwie warte ich vergebens auf den Startschuss. Ich möchte endlich loslaufen. Mal sprinten, mal walken - joggen mag ich nicht - und zwischendurch auch mal spazierengehen oder mich an der Seite ausruhen. Ich möchte den Wind spüren, mich auspowern und dann wieder innehalten und das Leben in meinen Adern fühlen.

Doch ich stehe immer noch in Startposition. Versucht, mich hinzusetzen und die Lust am Laufen zu verlieren. Frust möchte sich breit machen und mir meine Leidenschaft rauben.

Ich habe die Wahl.

Bisher bin ich standhaft geblieben. Ich bin immer noch bereit und freue mich auf das, was kommt. Aber es ist schwer, die Freude nicht zu verlieren. Ganz ehrlich, in solchen Zeiten würde ich manchmal gerne meine Pläne und guten Vorsätze alle in die Tonne hauen und mich trotzig auf den Boden werfen. Manchmal tue ich das auch, aber nur kurz. Weil es mir zu wichtig ist, dran zu bleiben, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Ich möchte nicht einfach nur existieren, ohne das Leben zu spüren. Ich möchte nicht, dass meine Kinder einfach groß werden - dafür brauchen sie mich nicht mehr - viel mehr möchte ich sie bewusst prägen und ihnen Werte mit auf den Weg geben. Und dann sind da noch so Sachen wie eine gesunde Ernährung und Sport, die ich in meiner Prioriättenliste höher gesetzt habe, weil ich merke, dass mein Körper das ganz dringend braucht. Aber wie soll das gehen, wenn der Kopf dröhnt... Heute haben wir uns einen Burger bei McD geholt, weil ich mich kaum auf den Beinen halten kann.

Wie mich das nervt.

Und doch ist es gerade so.

Einfach losgehen

Ausgebremst.

Aber nicht aufgehalten.

Hauptsache nicht aufgegeben.

Was mir jetzt klar wird, ist ein entscheidender Fehler, der mir immer wieder unterläuft. Ich warte auf die perfekten Umstände. Ich habe diesen Plan, eine Idealvorstellung von unserem Alltag und ich finde es wichtig, ein Ziel zu haben (immer im Bewusstsein, dass es nicht auf die perfekte Umsetzung ankommt). Aber ganz oft warte ich mit der Umsetzung, bis das Drumherum stimmt. Statt wenigsten mit einem kleinen Baby-Step zu beginnen.

Deshalb möchte ich heute den ersten Schritt meines Marathons gehen. Dieser Schritt ist dieser Blogbeitrag. Statt darauf zu warten, bis meine Kopfschmerzen verschwinden und bis ich allein bin und Ruhe habe und und ... habe ich einfach mal drauf losgeschrieben. Ich hoffe, nicht all zu wirr. Emma habe ich ins Bett gebracht, obwohl das bedeutet, dass sie heute Abend später einschlafen wird. Hannah malt neben mir schon mal Bilder für ihre Geburtstagsfeier im Februar. Ben macht (hoffentlich) seine Hausaufgaben. Und mein Liebster hat heute seinen endlos langen Tag und kommt erst um 16 Uhr nach Hause 😉 (Und dann wird er heute wahrscheinlich wieder bis 2 Uhr in der Nacht Mathearbeiten korrigieren...)

Ach ihr Lieben, dieser erste kleine Schritt tut wirklich gut und ich kann euch nur empfehlen: Geht einfach mal drauf los, auch wenn der Schritt noch so klein ist. Es werden wieder einfachere Zeiten kommen.

Ja und bitte nie vergessen: Wir sind nicht allein, nicht auf uns selbst gestellt. Warum nur verliere ich diese Tatsache so schnell aus den Augen?

Ich möchte mich tragen lassen.

Tja, und wenn der Arzt sagt, ich muss mich schonen, dann höre ich vielleicht zur Abwechslung mal darauf... Augen vor dem Chaos verschließen, schlechtes Gewissen ausschalten und mal an nichts denken...

Hmmm... Hat noch nicht funktioniert.

Ich übe weiter...

8 Antworten

  1. Liebe Regina
    Dieser Beitrag kommt mir bekannt vor. Nein, den hast du noch nicht veröffentlicht, aber er spiegelt mein Leben in gewisser Weise gerade wieder. Bei mir sind die Kinder zwar größer, statt Baby habe ich einen Hund der 2 mal am Tag raus “muss” und ich habe gaaaanz viele Symptome an meinem Körper und der Verdacht einer Autoimmunkrankheit verstärkt sich durch erste Blutbilder beim Hausarzt sowie eben dieser Beschwerden. Die Universitätskliniken warten nicht auf mich, ich brauche Geduld bis erste Differenzialdiagnosen gestellt werden können. Bis dahin stehen (leider?) noch die kleinen Worte “Verdacht auf” vor der Autoimmunkrankheit. Leider? Spinnt die? Nein, die spinnt nicht. “Verdacht auf” bedeutet sehr viel mehr “Unperfektionismus” als eine bestätigte Diagnose. Das bezieht sich ganz besonders auf die Therapie (die dann mal beginnen könnte), dem sozialen Umfeld (was etliche Menschen mir uncharmantes sagen, will ich hier nicht wiederholen. Und das macht auch nicht vor christlichen Mündern halt) und ganz besonders auf meine Seele, die wie im Wind dahin taumelt. Die Bibel hat da schon recht, wenn wir da lesen, das Gott weiß, das gerade auch in Hinblick auf “Glauben leben” nicht alleine sein sollten. Aber wenn man nun alleine ist? Und so bin ich auch gerade in so einer Zwischenzeit. Ich bin um jeden Tag froh, an dem ich meine Aufgaben als Hausfrau, Mutter und Frauchen alleine und vollständig schaffe. Meine Ehrenämter, zu denen ich mich teilweise auch mit Schulungen weiterbilden ließ, kann ich nicht mehr ausüben. Das Leben scheint zu bröckeln und reduziert sich auf einen scheinbar winzigen Durchmesser. Den großen Rest des Tages muss ich mich ausruhen. Liebe Regina, ich wünsche dir das Beste. Ich mag deinen Blog und deine Texte. Und auch dein Ehrenamt, wo ihr junge Frauen anleiten möchtet. Eins meiner Ehrenämter war die Mitarbeit in einer Jugendgruppe und das schmerzt mich sehr das ich das nicht mehr ausüben kann. Alles Liebe und Gottes dicken Segen für dich. Deine Sandra aus dem Sommerzimmer

    • Liebe Sandra,
      vielen, vielen Dank, dass du deine Geschichte so offen teilst. Nicht nur hier, sondern auch auf deinem Blog! Ich finde das so mutig!! Wahrscheinlich fühlst du das nicht so, aber es ist so. Ich wünsche dir, dass du jeden Tag in Gottes Arm fallen lassen kannst, egal, wie er wird. Du wirst getragen.
      Fühl dich lieb gedrückt!
      Regina

  2. Liebe Regina, ich kann dir voll nachempfinden…bei uns ist auch seid 2 Monaten immer jemand krank in der Familie…Leider verfalle ich oft genug in Frust oder bin dann ungeduldig mit den Kindern weil ich einfach nur frustriert bin weil es nicht weitergeht…
    Dabei weiß ich ganz genau das das nicht richtig ist….Alles hat seine Zeit und jede Situation hat ein Sinn auch wenn mir diese Situation absolut nicht gefällt…

    Es ist schön das auch von anderen zu hören obwohl ich es keinem wünsche.
    Danke für deinen Blog.
    Herzlichst Irina

    • Liebe Irina,
      vielen Dank für deine Nachricht! Ich hoffe, ihr seid inzwischen alle wieder gesund. Solche Zeiten schlauchen und es ist soo schwer, sich trotzdem auf das Wesentliche zu besinnen, trotzdem für die Kinder da zu sein, obwohl man nur ins Bett will, um sich die Decke über den Kopf zu ziehen. Oh wie gut ich das kenne… Ich wünsche dir viel Kraft und eine besondere Freude im Alltag!
      Alles Liebe, Regina

  3. Liebe Regina,
    es ist schön, dass Du so mutig bloggst, wie es uns ALLEN wohl mal geht.
    Gerade in den Zeilen mit dem loslaufen finde ich mich wieder.
    Mich macht dieses graue, kalte und rutschige Wetter etwas fertig. Ich fühle mich einerseits dem Winterschlaf sehr zugetan und andererseits sehne ich wärmere Tage herbei, damit wir alle viel mehr draußen sind und uns BEWEGEN können. Ich mag dieses viele drinnen hocken nicht. Aber draußen ist man dann doch nur ne halbe bis eine Stunde.
    Diese Krankheitsphase hatten wir seit Ende November bis Anfang Januar.Gerade wenn der Mann so lang arbeitet (unser Papa kommt zwischen 18/19 Uhr und ist morgens um 6:00 Uhr eweg) und dann noch Abends hier und da Jungschar, Sport, Chor und was auch immer ist.
    Ich verstehe Dich, wünsche Dir von Herzen gute Besserung!
    LG,
    Tina

    • Liebe Tina,
      vielen Dank für dein Worte. Es tut gut zu wissen, dass man nicht allein ist. Ich wünsche auch dir viel Kraft und Freude im Alltag, besonders in Zeiten, in denen alles auf einmal kommt…
      Alles Liebe, Regina

  4. Hallo liebe Regina,

    danke für diesen ehrlichen und authentischen Blogpost!
    Du schreibst so wundervoll, das das lesen bis zum Schluß nicht langweilig wird!

    Ich wünsche dir gesundheitlich alles erdenklich gute und das du bald so richtig durchstarten kannst!

    Liebe Grüße
    Naemi

    • Liebe Naemi,
      vielen lieben Dank!! Für das Feedback und die Genesungswünsche! Da ich mit dem Beantworten gerade sehr spät dran bin, kann ich aber sagen, dass ich wieder richtig fit bin 🙂 Und ich habe total Lust auf Frühling… Das passt zwar jetzt nicht wirklich, aber mir ist gerade danach 🙂
      Alles Liebe, Regina

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