Dennoch – Gedanken zu Psalm 73

Dennoch ist ein starkes Wort.

Es drückt eine Entscheidung aus. Eine Entscheidung, die nicht leicht fällt.

Ich hatte in meinem letzten Beitrag schon erwähnt, dass unser Pastor Gerry Wiebe über Psalm 73 gepredigt hatte. Es ist einer meiner Lieblingspsalmen. Warum? Ich konnte das lange nicht erklären, aber eigentlich ist es ganz eindeutig:

Es ist mein Thema. Leid und Trauer. Es ist mein Thema geworden. Nicht erst, nachdem wir Samuel loslassen und uns entscheiden mussten, ob wir weiter an Gott festhalten wollen oder nicht. Es fing schon früher an. Wahrscheinlich als meine Schwester starb, 2009.

Auch Christen erfahren Leid

Irgendwann hatte mich das Lied Asafs einfach gepackt. So sehr, dass ich eine Andacht für das Buch "Unendlich geliebt" darüber geschrieben habe. Hier ein kurzer Auszug:

"Als du dich entschieden hast, deinen Weg mit Gott zu gehen, waren deine Erwartungen vielleicht: 'Jetzt wird alles besser. Mein Leben wird leichter, sorgloser und glücklicher.' Doch schließlich musstest du feststellen, dass oft genau das Gegenteil der Fall ist."

Ist das denn gerecht? Warum leiden gute Menschen? Warum tut Gott manchmal Wunder und manchmal scheint er tausende Gebete einfach zu überhören. Wie kann es sein, dass Menschen, die fest an Gott glauben und alles für ihn geben, Krankheit, Verfolgung, Armut und andere andere schlimme Dinge erleiden?

Um das Warum geht es heute nicht. Es geht um das Dass. Christen erfahren Leid. Genauso wie alle anderen auch. Manchmal sogar noch mehr.

Im Anschluss an die Predigt wurde das Lied "Dennoch" (von Thea Eichholz-Müller) von einer tollen Männerstimme gesungen. Obwohl ich das Lied schon kannte, wurden mir in diesem Zusammenhang die Worte erst so richtig klar:

Du hast uns nicht verwöhnt mit Leichtigkeit,
kein roter Teppich lag für uns bereit.
Ein schwerer Kelch will erst einmal getrunken sein.
Auch deine Kinder wandern durch das Tal,
auch ihre Feinde sind von großer Zahl.
Auch deine Kinder hört man weinend zu dir schrein:
Mein Herz, es kommt noch nicht hinterher,
deine Wege, sie sind zu schwer für mich –
ich versteh dich nicht!

Sie sagen: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!“
Ich hör ihr Zweifeln, Reden, voller Spott:
„Was für ein Töpfer, der den eignen Krug zerbricht!“
Und wie die Flut niemals zu halten ist,
so reißen Schmerz und Fragen alles mit:
Was war? Was ist, was kommt? Wann seh ich wieder Licht?Mein Herz, es kommt noch nicht hinterher,
deine Wege, sie sind zu schwer für mich –
ich versteh dich nicht!

Der Weg zum Dennoch

Durch die Predigt am Sonntag wurde mir neu bewusst, wodurch in Asafs Denken eine Wendung möglich war. Er hörte auf, über Gott zu sprechen. Er sprach mit ihm.

Er gestand ihm seine Zweifel, klagte, fragte. Und ohne eine Antwort auf seine Fragen zu bekommen, veränderte sich etwas in ihm. Es entstand Raum für Trost, Hoffnung und Geborgenheit.

Weil er Gott kannte. Weil er wusste, dass Gott gut ist. Weil er wussten, dass es mit Gott ein Happy End für ihn geben würde. So gelangte Asaf zum Dennoch. Zu der Entscheidung, dass es nichts besseres gibt als ein Leben mit Gott. Denn das Ende ist entscheidend.

"Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil." (Ps 73,23-26, LU)

Bevor du dir das Lied anhörst, nimm dir die Zeit, um den Text Satz für Satz zu lesen und zu dir sprechen zu lassen. Und wenn du magst, dann sing mit:

Dennoch bleib ich stets an dir,
ich häng an dir,
ich bleib dir treu, so wie du mir.
Mein Leben lege ich in deine Hand.
Ja, ich bleibe stets an dir.
Wie groß die Not
auch in mir sei, du bist mein Gott!
Mein Fels, bei dem ich Ruh und Frieden fand,
ich bleibe bei dir – ich häng an dir.

Dennoch bleib ich stets an dir ...

Text und Musik: Thea Eichholz-Müller
Arrangement: Lothar Kosse
© 2005 Gerth Medien Musikverlag, Asslar

Hier geht´s zum Video!

2 Antworten

  1. Liebe Regina,
    Danke für diesen schönen Beitrag! Ich hab schon seit einiger Zeit diese quälenden Gedanken über all das Leid, das man persönlich durchmacht und in den Medien präsent ist. Du hast mich dazu angeregt, meine Denkweise zu überdenken.
    Danke!

    • Das freut mich, Marina! Ich wünsche dir, dass dein Blick nicht auf das Leid und die Tragik gerichtet ist, sondern auf all das Gute, dass wir trotz all dem erleben und lernen dürfen.

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