Die Sonne ist immer da, manchmal hinter Wolken

Seit drei Jahren, zwei Monaten und 6 Tagen ist unser Samuel nun schon im Himmel.

Ich wollte schon lange etwas über seinen Todestag geschrieben haben, aber manchmal fehlt die Zeit, manchmal die Kraft.

Die Woche davor war ich schon etwas nervös, rechnete damit, dass es mich wieder umhauen würde. Und tatsächlich war ich am Vortag wirklich sehr labil. Ich glaube, wegen meiner schlimmen Befürchtungen.

Und dann kam der 1. August.

Ich bin dankbar, dass wir an diesem Tag bisher immer frei hatten und ich möchte auch gerne immer zu Hause sein. Wir fuhren zu Samuels Grab, brachten ihm Sonnenblumen. Ihm - als würde er sie brauchen.

Wir brauchen es manchmal.

Der Tag war bedeckt von dieser dunklen Wolke. Doch die Kinder hatten sich ein Picknick gewünscht. Mir war eher nach Regenwetter, aber das blieb aus. Es war ein herrlicher Sommertag.

Also packten wir den Korb, den Alex und die Kinder mir mal zum Geburtstag geschenkt hatten, und machten uns auf den Weg... Wohin dieser Weg uns führte, seht ihr im nächsten Beitrag: Familienpicknick an Samuels Todestag.

Ich möchte erstmal zurückkommen zum Thema Todestag.

An Samuels erstem Todestag hat uns meine liebe Freundin Eva dieses Buch geschenkt: Der kleine Feuervogel: ... liebte die Sonne über alles von  Brent McCorkle und Amy Parker.

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Das hat mich damals unglaublich berührt. Ich danke dir für diese Aufmerksamkeit, Eva!

Wer unseren Blog www.unser-wunder.de verfolgt hat, denkt wohl schnell an Samuel bei diesem Bild. Kleiner Vogel. Wie passend.

Und doch ist die Lektion, die dieser Feuervogel in dem Buch lernt, eine für uns.

Warum gibt es den Regen? Warum lässt Gott zu, dass er uns die Sonne wegnimmt? Warum?

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Als sich der kleine Feuervogel schließlich durch Regen und Wind bis hinter die Wolken kämpft, erkennt er: Die Sonne ist da. Sie ist immer da und strahlt unaufhörlich weiter. Er sieht sie manchmal nicht. Doch sie ist da.

"Ganz allein, mitten im dunkelsten Sturm, sah Feuervogel die Sonne. Und sie schien heller als jemals zuvor. Von da an wusste er: Gott lässt niemals zu, dass die Regenwolken ihm die Sonne wegnehmen. Sie war immer da, so wie die Liebe seiner Mutter, und wartete auf ihn - gleich über den Gewitterwolken. "

Das Buch ist den Menschen gewidmet, die mit gefährdeten Kindern arbeiten. Der Film "Bedingungslos", zu dem das Buch gehört, ist ebenfalls empfehlenswert.

Aber ich möchte heute all denen sagen, die sich dieselbe Frage stellen wie der kleine Feuervogel:

Warum lässt Gott das zu? Warum versteckt er sich? Warum antwortet er nicht?rn_10048

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Gott ist da.

Er ist immer da. Manchmal sehen wir ihn nicht. Fühlen ihn nicht. Verstehen ihn nicht.

Aber er ist da.

Und ich möchte hinzufügen:

Er ist gut.

Dies sind für mich unerschütterliche Tatsachen. Die Suche nach den Antworten zu meinen Fragen orientiert sich an diesen Wahrheiten.

(Über das Warum habe ich in einem anderen Artikel ausführlicher geschrieben: Ich brauche keine Antwort auf mein Warum)

Ich möchte keine Diskussion anregen, sondern eigentlich nur sagen:

Er ist da.

Reicht es nicht manchmal schon? Dass jemand da ist? Dass man nicht allein ist? Dass jemand zuhört?

Es gibt kein Hinwegkommen. Wir müssen durch den Sturm, durch den Schmerz. Erst dann finden wir Linderung, Trost und Frieden.

Das ist kein Grund zu sagen: Ach, irgendwann scheint die Sonne schon wieder. Dieser Satz wirkt eher wie ein Schlag ins Gesicht.

Wenn gerade jemand in deinem Umkreis durch Schmerz und Trauer geht, schenk ihm bitte keinen billigen Trost, sondern geh mit ihm durch den Sturm, bis ihr die Sonne wieder seht.

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Zum Schluss noch ein kurzer Blick an Bens Zimmerwand. Der Kalender "A little extra" von diesem Jahr und das Universum, gemalt von Ben persönlich. Ich finde es toll!!

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Hier geht es nun zu unserem Familienpicknick an Samuels Todestag.

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4 Antworten

  1. Das ist gut beschrieben und mit Liebe abgeboten. Statt einer Schlagworte Begleitung. Das finde ich wesentlich. Leider im Alltag nie. Auch ich war wohl kaum ein Begleiter. Aber einen solchen zu haben, ist eine unheilich schöne Vorstellung. Man kann halt das Himmlische besser glauben, wenn ein Bruder oder Schwester hier auf Erden begleitend erinnert.
    Die Sonne ist immer da ! – Ja ! – Das ist wahrhaftig. Doch den in seiner Dunkelheit umherirrenden zu begleiten, ist so notwendig. Bis er das Licht wieder selbst sehen kann.
    Selig der Mensch, der so eine Begleitung auf Erden erfährt…

    Wer bringt wohl den Mut auf, nach mir zu suchen.
    Wer kämpft sich durch alles durch, was mein Herz umschließt.
    Wer bleibt lang genug, um mich hier zu finden ?
    Und wer trägt die Liebe, die mein Herz so braucht, um wirklich zu lieben ?
    – Katja Zimmermann aus CD himmelwärts –

    Danke für Deine Texte Regina !

    • Vielen Dank für dein Kommentar, Rolf. Es gibt wenige Menschen, die sich trauen, ganz bis zum Herzen eines verzweifelten Menschen vorzudringen oder mitzugehen. Aber es ist ja auch so schwer. Man hat Angst, den anderen zu verletzen. Trotzdem sollte es mehr, dieser mutigen Menschen geben. Ich bin noch keiner von ihnen, fürchte ich. Aber ich möchte es lernen.

  2. […] versprochen erzähle ich euch hier, wie Samuels 3. Todestag für uns weiterging. (Hier geht es zum ersten […]

  3. Wenn ich die Meile, mit einem teile, die er alleine nicht schafft.
    Lass auf der zweiten mich ihn auch begleiten. Gib mir die Worte, die Kraft.

    Das fiel mir gerade spontan dazu ein, nicht billigen Trost zu spenden und möglichst schnell wieder Abstand zu traurigen Dingen zu finden. Sondern auch selbst aushalten lernen, dass Lebensphasen auch mal dunkel, traurig und ziellos erscheinen können.

    Du hast eine Begabung es in Worte zu fassen, ohne dass es verurteilend oder wertend klingt. Sondern so liebevoll erklärend, aus Sicht eines Menschen, der Täler durchlaufen hat.

    Danke für Deinen Mut es zu bloggen und andere Menschen daraus lernen zu lassen.
    Bewegt mich sehr!

    Liebste Grüße,

    Tina

    • Danke Tina!
      Es hat mich wirklich Mut und Überwindung gekostet. Und ich habe gefürchtet, dass ich missverstanden werde, vor allem von Menschen, die es bei uns anders gemacht haben. Aber ich verurteile sie nicht, weil ich weiß, ich hätte es wahrscheinlich früher auch nicht besser gemacht.
      Diese Zeilen sind wirklich schön und sehr passend, wenn auch so schwer umzusetzen.

  4. […] Der kleine Feuervogel und Reginas Gedanken zum Thema Leid […]

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