Ein Brief zum siebten Geburtstag

Mein kleiner Samuel,

heute haben wir deinen siebten Geburtstag gefeiert. Ohne dich. Wieder. 

Wir haben echt viel gelacht. Deine Geschwister waren besonders lustig drauf. Sie haben vor deinem Grab einen Schweinehaufen gebildet. Drei Neufeldchen aufeinander. Drei. Später haben sie deine Kerzen ausgepustet, wie jedes Jahr.

Ich weiß, dieser Tag ist immer anders. Doch ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so schwer sein würde. Ich habe gut funktioniert, die meiste Zeit. Die Anspannung ließ mich alles gut schaffen - die Mädchen wegbringen, Ben zum Homeschooling motivieren, aufräumen, was gestern liegen geblieben war und eine Torte für dich backen. Zwischendurch lag ich immer wieder im Bett. Ich war erschöpft. Wollte allein sein.

Ob ich traurig war? Um ehrlich zu sein, habe ich nichts gefühlt. Gar nichts. Ich wusste, dass die Tränen darauf warteten, mir Erleichterung zu verschaffen. Aber ich konnte nicht loslassen. Ich war nicht bereit, den Schmerz zu spüren. Doch ich musste hindurch. Also habe ich deinem wundervollen Papa gesagt, dass ich einen Heulfilm anschauen möchte. Das hilft mir meistens, wenn ich nicht an meine Gefühle rankomme. Sobald die Schleusen geöffnet sind, fließen all die Tränen, die sich angestaut haben. Diese Tränen rufen heute: Ich vermisse dich, Samuel. Ich vermisse dich so sehr!

Die Erinnerungen stürzen auf mich ein. „Wir wollen das Baby jetzt holen.“ - „Können wir noch auf meinen Mann warten?“ - „Nein.“ Kurze Zeit später lagst du im Inkubator, unser Minibaby. Drei Tage später durfte ich dich halten. Nach einer Woche rechneten wir damit, dass du dich verabschieden würdest. Kurz darauf die Gewissheit: Du bist unser kleine Vogel, der nur kurz bei uns sein würde. Es war so schwer.

Und dann kam ein Wunder nach dem nächsten. Vollkommene Momente, als du auf meinem Arm lagst. Unbeschreibliches Glück, als deine Geschwister dich streichelten. Der Spaziergang. Unser Simba-Moment. Der erste und einzige Stillversuch, der dich müde und mich selig gemacht hat. So viel Glück. So viele Geschenke. Ein großes Wunder.

Ich kann Gott nicht oft genug für dich danken. Wärst du nicht geboren, wäre uns zwar Schmerz erspart geblieben, aber auch ganz, ganz viel entgangen - Segen, Wachstum und Liebe. Bedingungslose, tiefe Liebe. 

Samuel, ich weine, weil du mir fehlst. Doch wenn ich mir dein strahlendes Gesicht vorstelle, muss ich lächeln. Du bist am besten Ort, mein kleiner Sohn.

Für immer, deine Mama

Picknick auf dem Friedhof
Kleiner Vogel
In ewiger Liebe
Happy Birthday!
Hannah hat ein S aus Beeren auf den Kuchen geschrieben und Ben eine 7 aus den Kerzen.
Wunderschön, oder? Das hat Hannah geschrieben. Erkennt ihr die Torte mit der Kerze oben drauf?

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