Ein U fürs Leben!

Gastbeitrag von Sandra Klimm

Sandras Blog habe ich schon vor längerer Zeit kennengelernt. Im September letzten Jahres haben wir uns schließlich auch persönlich auf einem Frauenseminartag getroffen. Mich faszinieren Menschen, die es selbst nicht leicht haben, und es dennoch schaffen, andere zu ermutigen. So ein Mensch ist Sandra. Also schaut unbedingt in ihrem Sommerzimmer vorbei.

Der Seminarleiter teilte noch ein DIN A3 Blatt aus. Der Becher mit dem Wachsmalern machte wieder seine Runde. „Ist noch grün da?“, raunte mir Helga von der Seite zu. Ich kramte kurz in dem Behältnis und reichte es ihr. Ich entschied mich wieder dafür, ausschließlich den Bleistift zu nutzen. Klare Entscheidung eines „Schreiberlings“, der den Fokus aufs Wort hat.

„Nehmt das Blatt jetzt hochkant und zeichnet ein großes U drauf“, erklärt uns der Dozent. „Oben links markiert ihr eure Geburt, oben rechts euer aktuelles Alter und unten im Bogen des Us die jetzige Lebensmitte“. Köpfe senken sich, eifrig werden Striche gezogen.

Auch ich entwerfe ein überdimensionales U und trage die erforderlichen Markierungshilfen in Selbiges ein.

„Dies wird euer Ressourcendiagramm. Notiert, was euch im Leben Gutes geschah sowie Erlebnisse die gut ausgingen. Wo und womit hat Gott euch im Leben beschenkt? Ihr habt 10 Minuten Zeit. Es muss nicht komplett sein.“

Ok, seeehr entlastend! In meinem Kopf ratterte es schon gefährlich. Die alte Sandra wollte sich nämlich gerade innerlich zu Wort melden und mich in ihre Perfektionismusfalle locken. Ich beachte sie nicht. Mal sehen, was mir in 10 Minuten so einfällt.

Im Raum machte sich konzentriertes Schweigen breit. Ich beugte ebenfalls den Kopf nach unten.  Zuallererst fiel mir die gelungene Herz-Operation mit knapp einem Jahr ein. Dann erinnerte ich mich an die  Selbsthilfegruppe meines Vater sowie die wunderschöne Zeit, die mir mein Opa in den ersten 9 Lebensjahren bescherte. Beides fand seinen Platz auf dem U. In diese Ära fiel mir meine besondere Freundin ein. Ich lernte sie mit 7 Jahren kennen und wir sind heute noch befreundet.

Ich liebe es zu schreiben. Apropos schreiben – wann fing das eigentlich an? Sorgfältig notierte ich den Beginn meines Tagebuchschreibens mit 13 Jahren im Diagram. Es folgten meine Hochzeit, die Geburten meiner 3 wunderbaren Kinder, mein Fachabitur, welches ich mit Baby und Schwangerschaft sehr erfolgreich abgeschlossen habe. Mit 29 Jahren habe ich mich für Jesus entschieden und notierte auch das in die graphische Darstellung. Meine Kur nach der Notoperation fand ihren Platz, die Freundschaft mit einer lieben Frau in der Zeit meiner Panikstörungen auch.

Dann wurde der Platz sehr eng, denn gerade im letzten Jahr passierte so viel Wertvolles. Der Beginn meiner Seelsorgeausbildung, die eigene Seelsorge, einige wichtige Beziehungen sowie die intensive Beziehung zu Gott sorgten dafür, dass ich wesentliche Schritte im Leben machen durfte. Der Platz auf dem Blatt reichte kaum aus.

„So ihr Lieben, kommt mal zum Schluss“, unterbrach der Dozent meinen Gedankenlauf. Nach und nach beendeten die Teilnehmer ihr Schaubild, Papier raschelte, jemand sammelte die Wachsmaler wieder ein.

„Wie geht es euch damit?“

Ja, wie geht es mir denn damit?, fragte ich mich.

Wahnsinn, da habe ich 10 Minuten nachgedacht und geschrieben. Es fiel mir sehr leicht und ich stellte fest, dass ich noch so vieles mehr hätte notieren können. Ich schaute auf mein Blatt. Das sind meine Ressourcen.

Das habe ich erlebt und auch teilweise überlebt. Das hat mich gestärkt!

Und während ich da auf dem Stuhl saß, durchströmte mich eine Welle von Dankbarkeit.

Ich bin reich beschenkt von Gott!

Mein Diagram zeigt freudige und ermutigende Ereignisse als auch tragische Erlebnisse, aus denen ich letzten Endes gestärkt gehen durfte.

Wann gehen wir gestärkt aus einer Situation, wann fühlen wir uns beschenkt, auch wenn es augenscheinlich nicht so aussieht?

Gott sagt:

"Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der Herr. Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren." (Jeremia 29,11,)

Manchmal erscheint es anders und für all das Schwere im Leben geben wir dann auch gerne Gott die Schuld. Selbst diejenigen, die gar nicht an die Existenz Gottes glauben, machen an der Stelle oftmals großzügig eine Ausnahme und schimpfen herzhaft über ihn.

Wir schimpfen, wir weinen, wir schreien rum....

Und dann? Nachdem viele Tränen geweint wurden, Wutanfälle verebbten, Dinge betrauert oder beschimpft wurden, kommen wir doch alle an den einen Punkt. Den Punkt der Entscheidung:

Bleibe ich in der Trauer, im Klagen, im Jammern...stecken, oder soll mein Leben sinnvoll weitergehen?

Diese Entscheidung fällt nicht leicht, das weiß ich. Manchmal dauert es Tage, Wochen, Monate, sogar Jahre.

Doch wenn wir uns entscheiden, nicht einfach „nur weiter zu machen“, kann aus dem Erlebten etwas erwachsen, was uns und auch anderen Menschen im Leben weiter hilft. Die Lebensgeschichte der jungen Frau, auf deren Blog ich hier gerade schreiben darf, ist ein lebendiges Beispiel dafür.

„Nicht die Tatsachen bestimmen unser Leben, sondern wie wir sie deuten!“,

lernte ich in der Seelsorgeausbildung von dem österreichische Arzt und Tiefenpsychologen  Alfred Adler.

Und in der Bibel lese ich von Paulus:

„Meine lieben Freunde! All dies hat Gott uns versprochen. Darum wollen wir uns von allem trennen, was uns verunreinigt – sei es in unseren Gedanken oder in unserem Verhalten. In Ehrfurcht vor Gott wollen wir immer mehr so leben, wie es ihm gefällt.“  (2. Korinther 7,1)

Änderung ist folglich möglich.

Es ist möglich, neue Verhaltensmuster einzutrainieren, destruktive Gewohnheiten abzulegen, zu lernen, Gott zu vertrauen und ihm nachzufolgen.

Es ist folglich möglich, sein Leben als Beschenkte zu führen.

Ich für meinen Teil freue mich über all das, was ich bis dato lernen durfte und über meine Ziele, die ich mir setze. Ich freue mich darauf, Begleitende Seelsorgerin zu werden und bin gespannt, wie Gott diese Qualifikation nutzen möchte. Ich liebe es, aktiv Beziehungen zu leben und zu gestalten. Es macht mir Freude, meinen Bog zu führen und den Menschen aus meinem Leben mit Jesus an der Seite zu berichten. Kurz gesagt:

Alltag leben, Jesus lieben  &  Milchschaum löffeln!

Herzlichst, Sandra aus dem Sommerzimmer

www.meinsommerzimmer.de

2 Antworten

  1. Ein ganz wundervoller Beitrag! Es passiert mir selten, dass ich Texte im Internet, auf blogs finde, die es mir antun. Die mich fesseln.

    Sandra spricht hier ein so wichtiges Thema an, mit den ich mich auch erst vor knapp einem Monat intensiv auseinandersetzte. Obwohl es immer gegenwärtig ist.

    Die Übung des Leiters ist klasse. Auf Seminaren wird das gelehrt? Finde ich sehr interessant.

    Ich wünsche Sandra eine tolle Zeit auf ihrem Weg als Seelsorgerin!

    Alles Liebe, Juliet
    http://www.withjuliet.com

    • Liebe Juliet,
      vielen Dank für dein Feedback. Ich leite es an Sandra weiter.

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