Ganz ich und gar dein

Diesen Artikel hatte ich Ende letzten Jahres schon so gut wie fertig. Endlich wieder schreiben. Das tat gut. Scheinbar bin ich so aus der Übung, dass ich vergessen habe, den Text zu speichern und nun darf ich neu darüber nachdenken, was dieser Satz für mich bedeutet:

Ganz ich und gar dein.

Diese Worte habe ich während meiner Reflektionszeit in meinem Lieblingscafé in mein Gebetsbuch geschrieben. Das ist mein Fazit aus dem vergangenen Jahr. Es ist viel passiert, große Veränderungen: Emma ist im Kindergarten, unser Hausbau hat begonnen und ich habe mein Buch fertig geschrieben.

Der Frust über mich selbst

Doch es ist vieles nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Dass die Vormittage ohne Kind so kurz sind und ich viel weniger schaffe, als erhofft, hat mich manchmal frustriert. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so schwer fallen würde, in meinen neuen Alltag hineinzufinden. Zum Bespiel bleibt jetzt häufig die Wäsche bei mir liegen, was sonst nie mein Problem war. Dabei habe ich doch jetzt eigentlich mehr Zeit. Aber es ist einfach anders.

Und natürlich hatte ich erwartet, dass ich super viel schreiben würde. Die Wahrheit aber ist ernüchternd. Mir fehlt oft die Ruhe, weil ich so viele "dringe" Dinge sehe, die zu erledigen sind. Und ich merke, dass es mir wirklich schwerfällt, mich zu Hause einfach fallenzulassen und drauf los zu schreiben. Unser Wohnzimmer ist nebenbei noch Arbeitszimmer, Schlafzimmer, Esszimmer, Spielzimmer der Kinder, Bügelzimmer... Sobald ich im Café sitze, fließen die Worte aus meinem Herzen in die Finger und auf die Tastatur. Vielleicht ist es die Vorfreude auf unser Haus, die mir die Enge in unserer Wohnung so bewusst macht oder die Tatsache, dass hier immer wieder irgendwelche Kisten und Werkzeug gelagert werden.

Vom Frust zur Dankbarkeit

Anfang Dezember steckte ich noch sehr fest in meinem Frust über meine eigene Unfähigkeit, alles so hinzukriegen, wie ich es gern hätte. Teilweise überkam mich das schlechte Gewissen, weil die Weihnachtszeit stark vom Bau und nicht so intensiv wahrgenommen und gefeiert wurde, wie wir es sonst gern tun. Doch im Laufe des Monats sah ich auf das Jahr zurück und war überrascht, dass ich doch irgendwie alles schön fand. Es war ein gutes Jahr, dachte ich. Wie war ich denn jetzt darauf gekommen??

Vielleicht war ich schon so oft an dem Punkt, an dem ich der unausweichlichen Tatsache ins Auge blicken musste, dass ich nicht perfekt bin. Und das Leben auch nicht. Hin und wieder ärgere ich mich darüber, aber eigentlich finde ich es ok. Ich kann nicht alles, schaffe nicht alles und will auch nicht alles tun, was andere so machen. Ich will ich selbst sein und auch zu meinen Schwächen stehen. Ist es nicht wunderbar, zurückzublicken und festzustellen, dass alles trotzdem irgendwie geklappt hat und gar nicht mal so schlecht war und sogar unerwartete Glücksmomente bereit hielt, die wir nicht eingeplant hatten?

Ich blicke zurück und bin dankbar, dass ich sein darf, wie ich bin und dabei täglich dazulerne. Und dafür, dass ich Gott gehöre, seine Tochter bin. Seine Kraft füllt meine Schwäche, sein Friede vertreibt meinen Frust, seine Geduld und Weisheit können auch mit meinen Fehlern etwas Gutes bewirken.

Jeden Tag feiern

Nun hat das Jahr 2019 schon begonnen und obwohl mich zwischendurch leichte Panik ergreift, bin ich eigentlich sehr gelassen. Ok, bei dem Gedanke daran, dass unser Buch demnächst tatsächlich veröffentlich wird und an die Lesung, die wir gerade organisieren, muss ich mich setzen und tief durchatmen. (Dazu bald mehr..)

Aber ich darf wissen, dass alles in Seiner Hand ist. Auch wenn nicht alles perfekt wird, ich oft versagen werde und uns einige Herausforderungen begegnen werden, bin ich geliebt und umsorgt. Und auf diesem holprigen Weg warten unzählige Geschenke auf uns, Segnungen - kleine und große, unscheinbare und offensichtliche. "Jeder neue Tag ist ein Fest", steht in Sprüche 15,15, aber nur "für ein fröhliches Herz".

Das will ich. Jeden Tag feiern und dabei ganz ich sein und gar Gottes Kind.

Nun folgen ein paar Bilder von einem Tag, an dem ich alle Pläne über den Haufen geworfen habe, um mit einer Nachbarin die Kinder zu Fuß von der Schule abzuholen und später die Zeit zu vergessen...

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