Mit Kindern durch Israel – Tiberias am See Genezareth

In den Herbstferien waren wir zu fünft in Israel. Es war unbeschreiblich schön. Dieses Land hat es uns allen angetan. Von unserer Ankunft und unserem ersten Tag in Israel habe ich euch hier schon erzählt. Nun geht es endlich weiter mit der Serie, denn es gibt noch wirklich viel zu erzählen und zu zeigen.

Auf nach Nazareth

Die Fahrt wollte Emmi einfach nicht gefallen. Auch das Hörspiel brachte ihr keine Freude. Um ihretwillen und für uns alle freute ich mich, als sie schließlich eingeschlafen war. Der Stress in Nazareth hätte ihr so gar nicht gefallen. Kurz gesagt: Es war der furchtbarste Verkehr, den ich je erlebt hatte. Es gab wohl kein Auto, das keine Dellen und Kratzer hatte und das hatte seinen Grund. Alex quälte sich auf der Suche nach einem Parkplatz hindurch und gebrachte die Hupe mehr als einmal. Wir entschieden, dass wir durch die Fenster genug gesehen hatten und machten uns schließlich auf den Weg nach Tiberias. Der Weg dauerte doppelt so lang wie üblich, da die Straßen schrecklich voll waren. Egal, wir freuten uns auf den See, auf dem Jesus gegangen war.

Mit Jesus spazieren gehen

Auf dem Weg dorthin genoss ich den Ausblick aus dem Fenster. Diese Felder, die Hügel, die Gräser. Hier ist Jesus mit seinen Jüngern langgelaufen. Kein Auto, keine Eile. Manchmal beneide ich die Jünger um die Zeit, die sie so nah mit ihm sein und ihm zuhören konnten. Die vielen Kilometer, die sie zu Fuß zurückgelegt hatten, müssen prägender gewesen sein, als die einzelnen Stationen ihrer Reise.

Ich stellte mir vor, wie ich mit ihm über diese Felder laufe. Wir genießen die Zeit miteinander. Beobachten die Tiere, die uns unterwegs begegnen. Wir schweigen und genießen die Gegenwart des anderen. Und dann reden wir. Ich stelle meine Fragen. Und er antwortet mir mit einer Gegenfrage. Oder einer Geschichte. Er fordert mich heraus. Er inspiriert mich. Ich folge ihm von einer Stadt zur nächsten und beobachte, wie er den Menschen mit bedingungsloser Liebe, aber auch Klarheit begegnet. Er lehrt. Er heilt. Und dann gehen wir weiter.

Der Weg ist das Ziel, sagt man, und ich glaube, in diesem Fall trifft das zu. So wie die Jünger damals mit Jesus unterwegs waren, so kann ich es auch heute. Ich sehe ihn nicht mit den Augen, aber ich bin mit ihm unterwegs. Wir reden. Wir schweigen. Wir genießen. Ich beobachte, was er in der Welt tut und weiß: Ich will nie wieder ohne ihn sein.

Schock-Hotel in Tiberias

Wir fuhren zu unserer Unterkunft in Tiberias, um zu fragen, ob wir unser Gepäck schon dort lassen könnten. Doch wir erschraken, als wir vor diesem verwahrlosten Gebäude standen, das keineswegs aussah wie ein Hotel. Es war niemand zu finden, denn es gab keine Rezeption oder dergleichen. Ein paar radfahrende Kinder sagten uns in englisch, dass um sechs jemand kommen würde. Das hatten wir völlig vergessen. Am Sabbat konnte man erst um 18 Uhr einchecken. Das wäre ja kein Problem gewesen, aber die Vorstellung, dass wir zwei Nächte in diesem Gebäude würden übernachten müssen, trieb mir die Tränen in die Augen. Erfolgreich versteckte ich sie vor den Kindern, denn ich wollte sie nicht mit meiner Verzweiflung anstecken. Wir fuhren ein Stück weiter Richtung Promenade. Glücklicherweise gab es hier - im Gegensatz zu Tel Aviv - kein Problem, einen Parkplatz finden.

Zur Ruhe kommen am See Genezareth

Der Blick auf den See Genezareth, der von Bergen umrahmt ist, war wie aus einem Traum. Zwei kleine Fischerboote lagen auf dem Wasser. Es hätte idyllisch sein können, wenn nicht dieses Partyschiff herumgefahren wäre. Dennoch wirkte diese Szene beruhigend auf mich. Es war so unwirklich hier zu sein. Diese Farben, diese Umgebung. Wie aus einem Märchen. Doch es waren reale Geschichten, die wir in der Bibel lesen können, die sich genau hier abgespielt haben. Natürlich sah es damals anders aus als heute, aber für die Kinder und auch uns ist es dennoch etwas ganz Besonderes diesen Ort mit eigenen Augen gesehen zu haben.

Auf den Straßen und Hügeln Tiberias'

Das Highlight des Tages war unser Spaziergang auf einen Hügel, wenn man das noch so nennen kann. Wir erklommen einen kleinen Berg. Ich war fasziniert von diesen Farben. Dieses Gelb, das leichte Grün - genau meins! Wir gingen erst durch verdreckte  Straßen, an teils süßen, teils nur halbfertig gebauten Häusern vorbei. Streunende Katzen wohin man nur sah, die unseren Kindern aber viel Freude bereiteten. Das Beobachten natürlich nur.

Emmi hat hier ihre Liebe zur Fotografie entdeckt! Und ihre Faszination für Riesen-Ameisen.

Das war genau unser Ding. Einfach drauf los, dorthin wo es uns gefällt. Es müssen nicht immer die Anziehungspunkte für Touristen sein, auch wenn ich bestimmte Dinge auf jeden Fall noch besichtigen wollte. Wir standen dort oben und sahen auf den See Genezareth hinunter und beobachteten, wie die Sonnenflecken von einer Hügelgruppe zur nächsten wanderten.

Da dies eine spontane Idee war, hatten wir nicht viel Wasser dabei, was uns bald in Richtung Auto trieb. Doch es hatte sich gelohnt. Das werden wir alle - bis auf Emma wahrscheinlich - nie vergessen.

Gottes Fürsorge

Dann kam der zweite Schock. Pünlitch um 18 Uhr standen wir vor unserem "Hotel" und warteten. Warteten und suchten und fanden niemanden. Alex rieft schließlich die Vermittlung an, über die wir gebucht hatten, aber diese konnte die Besitzer ebenfalls nicht erreichen. Die Laune der Kinder war durch ihre Müdigkeit am Tiefpunkt. Doch langsam dämmerte es mir: "Gott? Hast du etwa gerade vor, uns zu überraschen?" Ich sagte den Kindern, dass dies sicher ein Geschenk von Gott sei, weil ich vorhin fast geweint hätte, als ich das Gebäude sah.

Tatsächlich! Wir mussten nur wenige Hundert Meter fahren und standen vor einem richtigen Hotel. Ein freundlicher Mann begrüßte uns und überreichte uns den Schlüssel zu unserem Zimmer. Es gab Wasser und Kaffee. Morgens würde uns ein Frühstück erwarten. Es war eng und einfach eingerichtet, aber es war perfekt! Wir waren so begeistert davon, wie fürsorglich unser guter Gott ist!

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6 Antworten

  1. Liebste Regina,
    ihr habt so eine schöne Reise gehabt und wertvolles erlebt. Wie bewegend ist es doch in den Spuren Jesu zu gehen. Oder noch mehr, mit ihm zusammen. Ich stelle mir das auch immer wieder vor. Und die Bilder… sie sind einfach wunderschön!
    Liebste Grüße

    • Vielen Dank, Anita! Wie gut, dass dieses Zusammensein mit ihm unabhängig davon ist, wo wir uns befinden. So schön, es auch war, dieses Land zu betreten, geht es doch um mein Herz… Ich freue mich sehr, dich und andere in diese besondere Reise mitnehmen zu können. Und ganz besonders freue ich mich jetzt schon auf unser Wiedersehen!!
      Alles Liebe, Regina

  2. Sehr sehr schön geschrieben !! Vor allem der Mittelteil mit Jesus !

  3. Liebe Regina! Ja, auch brav dein Kommentarfeld mit “Kästchen und Pünktchen gesichert”. Danke für deinen tollen Beitrag. Ich würde Israel auch gerne mal besuchen, ich denke aber das wird noch dauern. Umso mehr freue ich mich über das Weitergeben deiner Eindrücke. Ich kann bei weitem nicht behaupten dich “zu kennen” und gleichzeitig habe ich dich persönlich und auch durch deine Beiträge soweit kennen gelernt, als das ich mich in deinen Empfindungen entdecken kann. Ja, so könnte ich auch empfinden, wenn ich da gewesen wäre. Fast-Tränen vor dem Ruinenhotel, Freude und Genießen der Wege abseits der Touristenpfade… Danke fürs Teilen deiner Erinnerungen. Herzlichst, deine Sandra aus dem Sommerzimmer

    • Liebe Sandra, ich wünsche dir von Herzen, dass du eines Tages selbst ins Heilige Land fliegen kannst! Bis dahin teile ich gerne unsere Erfahrungen mit dir 🙂
      Regina

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