Samuels 4. Geburtstag – Auch die Geschwister trauern

Es ist jedes Jahr anders.

Die ersten beiden Geburtstage waren fröhlich und ausgelassen. Letztes Jahr war ich am Tag davor ein emotionales Wrack.

In diesem Jahr war es ganz anders.

Es war, wie es war. Samuel hatte Geburtstag und wir würden wieder ohne ihn feiern. Irgendwie schien ich sehr gefasst und sachlich. Im Nachhinein muss ich gestehen, dass es wohl daran lag, dass die Tage und Wochen davor sehr geschäftig waren. Und wir wollten doch noch die Steine für sein Grab bemalen. Einen Kuchen backen. Ich funktionierte und das sehr gut.

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Am Tag vor Samuels Geburtstag holten wir die Acrylfarbe hervor und machten uns daran, die Steine, die Emmi und ich am Morgen gesammelt hatten, zu bemalen. Es war wirklich schön spaßig mit diesen tollen kleinen Menschen, kreativ zu sein.

Wieder einmal habe ich mir vorgenommen, eine fotogene Alternative für das Zeitungspapier zu finden.

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Hannah malte einen Regenbogen auf den großen Stein und Ben schrieb den Namen seines kleinen Bruders darauf. Jeder von uns bemalte einen kleineren Stein. Leider waren wir zu spät dran, um die Farbe wetterfest zu machen, aber das haben wir dann später nachgeholt.

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Dann kam der 4. Geburtstag von unserem Kleinen Vogel. Bestimmt feierte er eine große Party mit Jesus und den Engeln, stellten sich die Kinder vor.

Wir machten einen Erdbeerkuchen mit vier bunten Kerzen, die Samuels Geschwister für ihn auspusten würden.

Während ich in der Küche herumwerkelte, spürte ich wieder diese bekannten Kopfschmerzen. Es staute sich etwas an, das ich irgendwann herauslassen müsste.

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Als wir Happy Birthday sangen, war Emma so amüsiert, dass sie laut lachen musste.
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Schließlich fuhren wir zum Friedhof, nachdem es aufgehört hatte zu regnen. Das obligatorische Picknick wurde in der Hocke zu sich genommen, da das Gras nass war. Wir haben Blumen im Auftrag von Oma und Opa B. und der Tante mitgebracht und mehrere Sonnenblumen auf dem kleinen Grab verteilt.

Ich weiß nicht, ob ich schon mal erwähnt habe, dass wir sehr unzufrieden mit dem Grabstein sind. Aber das ist eine andere Geschichte...

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Die kindliche Lebensfreude ist einfach ansteckend. Emma hat uns wirklich alle aufgeheitert. Sie bestand darauf, ihre Holzpantoffeln anzuziehen, die Alex ihr von seiner Klassenfahrt in Holland mitgebracht hatte.

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Da saß diese kleine, bunte Prinzessin nun und schaute zu, wie die beiden Großen mit dem Papa auf der Wippe saßen und sich im Karussell drehten. Einfach zuschauen ist auch mal schön.

Wir fuhren nach Hause und wie jeden Freitag machten wir eine leckere Pizza, denn wir liiiiieben Pizza. Statt eines Kinderfilms schauten wir uns den Clip mit Fotos von Samuel an, den wir für seine Beerdigung zusammengestellt hatten. Und da merkten wir, dass, während wir gelernt haben, unsere Trauer in unser Leben zu integrieren, es für die Kinder ein längerer Prozess ist. Je älter sie werden, desto bewusster spüren sie, dass ihr kleiner Bruder ihnen fehlt. Dass er nicht nur der Mama fehlt und sie dann weint. Er fehlt auch ihnen persönlich. Und wir Eltern trauern um unseren kleinen Samuel und auch ein Stück weit um das, was unsere anderen Kinder erlebt haben.

Die Trauer von Kindern. Das ist ein eigenes Thema und irgendwann möchte ich ausführlicher darüber schreiben. An dieser Stelle möchte ich nur feststellen, dass unsere Kinder einen wirklich tollen, freien Umgang mit dem Thema haben. Dieser Verlust hat ihnen schon so früh eine Tiefe des Lebens gezeigt, der sie prägt und stark macht. Wir haben ihnen bewusst, nie vorgeschrieben, wie oder ob sie mit anderen Menschen über Samuel reden sollen. Doch sie tun es. Weil es ihnen wichtig ist. Weil es selbstverständlich ist. Weil sie Samuel lieben und er zu ihnen gehört.

Er ist und bleibt einer von uns.

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3 Antworten

  1. Ich lese gerade sie Beiträge über Euer Vögelchen so gern.
    Es ist so schön zu lesen/sehen, wie er mitten in Euren Herzen bleibt.
    Es ist so schön, dass ihr aus Angst vor Trauer, Tränen und Schmerz NICHT vergessen wollt!
    Früher war das anders.
    Meine Mutter erlebte ähnliches wie Du/ihr. Mit 2 älteren Geschwistern, die das sehr bewusst erlebten.
    Ein Jahr später kam ich/bzw WIR (Zwillinge).
    Damals wurden keine Fotos vom Brüderchen gemacht und da er kurz vor der Geburt im Bauch verstarb, wurde er sofort weggenommen und keine Zeit zum Abschied nehmen gegeben. Meine Mutter weiß nicht, wie er ausgesehen hat, wie er gerochen hat… NICHTS! Und ich merke bis heute, wie schwer das wiegt!
    Ich hätte GERN eine Erinnerung an meinen Bruder, denn es ist ein Teil von uns/mir. Und ich weiß nichteinmal wie er aussah!
    Ihr macht es toll mit den Kindern!

    LIebe GRüße,
    Tina

  2. Vielen dank liebe Regina, dass du dein Herz mit uns teilst, auch wenn es schmerzhaft ist. Mir kommen immer die Tränen, wenn ich Artikel über Samuel lese. Natürlich kann man das nicht nachempfinden oder nachvollziehen und gerade deshalb bin ich so dankbar für deine ehrlichen Worte! Danke, dass du uns teilhaben lässt: am Schönen und am Schweren.

    • Marina, ich danke dir! Für deine Liebe und deine Tränen!! Dass du die bist, die du bist. Ich werde dich so vermissen, liebste Nachbarin <3

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