Schwere Tage dürfen sein

Es gibt sie immer noch diese schweren Tage.

Es sind nicht gleich schlechte Tage. Nur eben schwer.

Am Donnerstag sind wir Mädels mit unseren Männern auf dem Spielplatz mitgefahren, als sie ihr Basketballtraining hatten. Direkt nebenan ist diese kleine Bücherei der katholischen Kirche, in der wir schon lange nicht mehr waren. Jeder durfte sich ein Buch und ein Hörspiel aussuchen. Dann haben wir geschaukelt und Steine die Rutsche herunterpurzeln lassen.

Hinter dem Spielplatz befindet sich der Friedhof, auf dem Samuel beerdigt ist. Diesmal ging ich allein hin. Ich stand da - im Hintergrund das Lachen unserer anderen Kinder, der Basketball, den Vater und der große Sohn auf den Asphalt dribbelten - und hatte nur diesen einen Gedanken im Kopf: Ich will nicht, dass es wahr ist. Ich will nicht, dass es wahr ist.

Diese Szene schien so surreal. Da passte etwas nicht zusammen. Und doch war mir klar, dass genauso unser Leben war. Da passt was nicht bzw. da fehlt was. Jemand. Unser kleiner  Sohn. Der schon bald vier Jahre alt geworden wäre. Was für ein schönes Alter das ist. Er fehlt mir schrecklich.

Als wir wieder zu Hause waren, lag ich eine Weile auf dem Sofa und war nicht fähig, etwas Sinnvolles zu tun. Eigentlich war ich den ganzen Tag schon etwas sensibel. Dann dachte ich, vielleicht sollte ich das bei Instagram teilen. Erst habe ich mich nicht getraut, weil es so persönlich ist. Doch mir ist wichtig, deutlich zu machen, dass die Trauer um einen Menschen nichts ist, was irgendwann ein Ende hat. Man kommt nicht über jemanden hinweg, den man liebt. Wir haben zurück ins Leben gefunden und es ist ein anderes Leben. Dennoch schön, wirklich schön.

Und auch der Donnerstag war ein schöner Tag. Mit viel Lachen und Zusammensein. Aber es war eben auch ein schwerer Tag.

Das darf sein, auch nach dreieinhalb Jahren.

 

2 Antworten

  1. So schön geschrieben und so wahr, vielen Dank fürs mitteilen!
    Habe meine Mutter vor fast 10 Jahren verloren und der Trennungsschmerz ist jetzt fast größer als zu Anfang.

  2. Ja, schwere Tage dürfen sein. Ich finde es so erstaunlich, gerade wie du schreibst “Schwere Tage sind nicht schlechte Tage”. Wie oft lasse ich mich von negativen Gedanken runter ziehen und denke, es ist ein schlechter Tag, dabei kenne ich wirkliches Leid und Verlust nicht einmal. Danke, dass du mir hilfst, zu verstehen und mit-zu-leiden, du machst mir Trauer greifbarer und nimmst Angst davor. Denn Trauer gehört ja zum Leben dazu. Leider. Aber Gott hält <3
    Love, anni

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