Stille Tage im Kloster Maria Laach

Vier Tage allein.

Es war schön, effektiv, entspannt und nun ja - still.

Aber es war nicht abgeschottet, zeitzurückversetzt und einsam.

Ich hatte ja schon in "Mami allein on Tour #2" darüber geschrieben, dass ich in dieser Zeit zur Ruhe kommen und schreiben wollte. Ungestört arbeiten, ganz viel lesen, allein spazierengehen und vor Gott stille werden - das ist mein Weg, Kraft zu schöpfen und genau das habe ich in diesen vier Tagen erleben dürfen.

Ankommen

Es ist Donnerstagmorgen. Ich verabschiede mich von meinen Großen. Nochmal drücken und ein letzter Kuss. Während Alex und Emma die beiden wegbringen, habe ich Zeit, meine restlichen Sachen zu packen. Auch für den Rest meiner Familie suche ich noch einige Dinge zusammen, die sie für ihren Besuch bei Oma und Opa Neufeld brauchen, wo sie bis Samstagabend bleiben werden.

Alex bereitet das Frühstück vor und ich verabschiedet mich vom Stillen unserer gar nicht mehr so kleinen Emma. Schnief… Dann frühstücke ich mit Alex und Emmi, lasse mir die letzten Pfannkuchen vom Vortag mit „gesunder Nutella“ schmecken und dazu natürlich meinen Latte Macchiato.

Nun folgt der Abschiedskuss von diesen zwei Lieblingsmenschen und ich fahre los. Als ich an Hannahs Kindergarten vorbeifahre, steigen mir Tränen in die Augen, die ich wegzublinzeln versuche. Es folgt eine angespannte Fahrt und irgendwann erreiche ich schließlich das Kloster Maria Laach.

Begrüßt werde ich von dem strahlenden Pater Viktor, der mir alles erklärt und mir die Schlüsselkarte für mein Zimmer überreicht. Ja, genau: eine Schlüsselkarte! Der Gästeflügel des Klosters erinnert mich an ein Sternehotel, denn selbst das entscheidende Kriterium für mich - das Badezimmer - ist wirklich top!

Ich räume meine wenigen Kleidungsstücke in den wunderschönen antiken Schrank, den ich zu gerne mitnehmen würde! Bis zum Mittagessen habe ich noch eine halbe Stunde Zeit und weil ich mal wieder angeschlagen bin, lege ich  mich in das bequeme Bett. Doch ich bin noch viel zu aufgedreht, um wirklich zur Ruhe zu kommen. Also versucht ich, Alex anzurufen, jedoch ohne Erfolg. Empfang gibt es hier kaum.

Das Mittagessen verläuft ruhig und ist sehr lecker. Es gibt Kartoffelbrei mit einer Hackfleichsoße und dazu Salat. Ach ja, Suppe als Vorspeise und weil wir „Feiertag“ haben - Weiberfastnacht - bekommen es so gar einen Berliner zum Nachtisch. Während ich diesen esse, muss ich an meinen Alex denken <3

Ich gehe in mein Zimmer und beginne damit, das Matthäus-Evanglium zu lesen. Wie lange habe ich schon nicht mehr mehrere Kapitel am Stück gelesen. Es ist ein ganz anderes Erleben von Gottes Wort. Die Geschichten, die vom Leben Jesu erzählen, sind mir die liebsten.

Mittagsmüdigkeit gepaart mit chronischem Schlafmangel ergreifen mich und ich schlafe ein - für zwei Stunden! In aller Ruhe und ungestört. In meinem Zimmer ist es ganz still. Außer einem leisen Rauschen der Heizung höre ich absolut nichts. Erst nachdem sich andere Gäste über das Glockengeläut unterhalten haben, nehme ich das leise Läuten zu den entsprechenden Uhrzeiten wahr.

Als ich schließlich aufstehe, hole ich mir einen Tee und genieße ihn zusammen mit einem Knoppers, den ich mitgebracht habe. Ganz ohne Schokolade komme ich nicht aus. Ich lese ein wenig in meinem Buch und setze mich schließlich an den Laptop. Ich habe schließlich einiges vor in diesen Tagen. Die Erkältung macht mir zu schaffen, aber ich bin fest entschlossen, mich nicht abhalten zu lassen.

Schließlich gehe ich raus. Die Sehnsucht hat mich gepackt und ich versuche, Alex zu erreichen. Auf der Suche nach Handyempfang gehe ich am Bücherladen vorbei, bzw. kurz hinein. Ich möchte den Kindern eine Kleinigkeit mitbringen. (Was ich gefunden habe, verrate ich beim nächsten Mal.) Ich muss wirklich sagen, dieses Kloster hat eine Menge zu bieten. Auch die Gärtnerei ist einen Besuch wert. Doch jetzt will ich erst einmal sicher gehen, dass es meiner Familie gut geht.

Bevor ich völlig durchfriere, gehe ich wieder auf mein Zimmer. Ich lese noch ein paar Seiten und gehe dann runter zum Abendessen. Ich fühle mich ein wenig als Exot. Die anderen Gäste, denen ich begegne, sind alle katholisch und besuchen die verschiedenen Veranstaltungen in der Kirche. Sie unterhalten sich über die benediktinischen Bräuche und scheinen schon Erfahrung in Sachen Kloster zu haben. Ich schaue mir ab, dass wir uns nicht setzen, bis der Pater hereinkommt, dieser strahlende Pater, der mich begrüßt hat - ein Mann mittleren Alters mit schwarz-grauen Haaren, Bart und einem fröhlichen Lachen. Er läutet leise eine Glocke und betet. Nun dürfen wir uns am Buffet bedienen.

Zurück auf meinem Zimmer lese ich wieder ein wenig in meinem Buch und dann weiter in der Bibel. Zum Abschluss des ersten Tages schaffe ich noch ein gutes Stück an meinem Schreibprojekt und diesen Bericht über meinen ersten Tag hier in Maria Laach.

Es war ein schöner, entspannter und erfolgreicher Tag. Aber es fiel mir anfangs schwer, innerlich zur Ruhe zu kommen, nicht ständig auf mein Handy zu sehen, ob ich denn endlich Empfang hätte. Ich hätte auch gern nur ganz kurz bei Instagram vorbeigeschaut. Aus Gewohnheit versuchte ich, die neuen Emails abzurufen. Dabei hatte ich mir doch fest vorgenommen, mich nicht ablenken zu lassen. Am nächsten Tag habe ich erfahren, dass es W-Lan gab. Das war gut, denn nun konnte ich über Whatsapp mit meiner Familie telefonieren. Aber es war auch wichtig für mich, diesen Tag ohne Internet zu haben, um mich davon zu lösen. Ich muss gestehen, dass es gar nicht so leicht war.

Die erste Nacht, wie auch die folgenden, war nicht gut. Ich kann ohne Alex einfach nicht einschlafen. Aber das fand ich nicht schlimm, schließlich konnte ich mich mittags wieder hinlegen. Das habe ich unglaublich genossen.

Hier ein paar Einblicke in mein einfaches, freundliches Zimmer.

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RN_15303Auftanken

Ich genoss die Ruhe beim Aufstehen und Fertigmachen. Stille. Nichts weiter.

Am Frühstückstisch brauchte ich einen Moment, um zu verstehen, dass es nur mittags und abends einen gemeinsamen Beginn mit Gebet gibt. Eine so große Auswahl am Buffet hatte ich gar nicht erwartet. Aufschnitt, Marmelade, Honig, sogar Nutella, Müsli und Cornflakes.

Den Vormittag nutze ich in den nächsten Tagen dazu, um in der Bibel zu lesen und dann zu schreiben. Ich kam gut voran, merkte aber, dass ich nicht all zu lange am Stück schreiben konnte. Also ging ich raus und genoss die Sonne, das Vogelgezwitscher und den frischen Wind. Es war Regen vorausgesagt. Doch Gott hatte uns mit den wärmenden Strahlen der Sonne geküsst.

Uns. Damit meine ich auch die anderen Leute, die in diesen Tagen die Stille dem Karnevalstrubel gegenüber bevorzugt hatten. Es waren zum Großteil ältere Leute, von denen einige Männer bei den Mönchen essen durften. Wir hatten immer eine nette Tischgemeinschaft.

Zwei Gespräche sind mir in besonderer Erinnerung geblieben. In dem einen ging es um die Predigt am Sonntagmorgen: ein Gedicht über Gottes Fürsorge. Die eine Frau sagte treffend, dass das Thema, unsere Sorgen loszulassen, gerade für uns Mütter wichtig sei. Ihre Kinder waren schon erwachsen und sie sagte, es stimme: Kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen. "Da kann man nur vertrauen." - Recht hat sie.

Während meines letzten Essens unterhielt ich mich mit zwei älteren Damen, die ich bisher nur vom Sehen kannte. Wieder war das Thema Kinder: Auch wenn es mal schwierig wird, besonders in der Pubertät, dürfen wir nicht aufgeben, denn es wird wieder besser. Es geht um die Beziehung. Ach, was waren das für liebe Frauen.

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Während andere stundenlang durch den Wald wanderten oder großen Runden um den See drehten, hielt ich meine Spaziergänge kurz. Ich fühlte mich immer noch krank und merkte, dass der Wind mir nicht guttat. Umso mehr genoss ich diese Schönheit um mich herum.

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In meinem letzten Artikel hatte ich geschrieben, dass ich mich jeden Tag in die Kirche setzen wollte, um zu beten. Das habe ich doch recht kurz gehalten. Wenn jemand neben mir versuchte, das perfekte Foto zu machen oder immer wieder neue Touristen in diesen nach Weihrauch duftenden Saal strömten, fiel es mir schwer, mich auf Gott zu konzentrieren. Trotzdem genoss ich diese Zeiten sehr.

An einem Tag besuchte ich die Veranstaltung vor dem Mittagessen (die Vesper, richtig?). Die Mönche sangen. Und auch wenn ich nur einzelne Wörter der deutschen Texte verstand, fand ich es schön zu sehen, dass der Tag der Mönche durchzogen ist von Anbetungszeiten. An diesem Tag fand leider genau während des Mittagessens ein Orgelkonzert statt. Im Nachhinein bereue ich es, nicht dageblieben zu sein, denn was der Bruder aus diesem uralten Instrument herausholen kann, habe ich am Sonntag in der Messe gehört. Ein fröhlicher, leichter Tanz, der einfach gute Laune macht. Ich hörte, wie sich andere Gäste vornahmen, sich bei Pater Viktor zu beschweren, dass das Konzert so ungünstig für uns gelegen war. Dieser hatte darauf eine ganz einfache Wahrheit als Antwort: "Wissen Sie, ich habe im Kloster gelernt: Es nützt nichts, sich zu ärgern."

Die Messe war fremd für mich. Mein einziger Besuch eines katholischen Gottesdienstes war die Firmung meiner Freundinnen vor ca. 16 Jahren. Trotzdem fühlte ich mich nicht unwohl. Eine Predigt in Gedichtform und der Gesang der Mönche zur heiteren Orgelmusik haben mich positiv überrascht. Was mich jedoch zum Nachdenken brachte war die Ehrfurcht, mit der die Bibel behandelt wurde. Ein besonderer Platz, ein Kuss auf die Seiten, die Worte der Wahrheit beinhalten. Natürlich kann das für manch einen ein schlichtes Ritual ohne Bedeutung sein. Aber in mir hat das und das Lesen der Evangelien die Sehnsucht danach geweckt, im Alltag mehr Anbetung zu leben. Einen Lebensstil zu führen, der Gott ehrt. Gebete zu sprechen, die sich nicht nur um mich drehen, sondern voller Bewunderung für den König der Könige sind. Mit einer Erwartungshaltung, dass Gott sich in meinem einfachen Leben zeigt.

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An den Wänden des Gästeflügels hingen einige Schwarz-Weiß-Fotografien von Wäldern. Das hat mich inspiriert, es auch mal zu versuchen. Ich mag die Farbbilder lieber, aber das Spiel von Licht und Schatten wirkt hier besonders schön, wie ich finde.

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RN_15294 Am Vormittag in den Wald, nachmittags an den See. Allein in der Natur - da kann ich nicht anders als staunen und beten.
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Als besonderes Geschenk schickte Gott zwei Eichhörnchen über meinen Weg. Ich liiiiiiiiebe diese kleinen roten Tiere mit den Wuschelschwänzchen. Aufgeregt und mit einem breiten Grinsen im Gesicht versuchte ich diese süßen Geschöpfe mit der Kamera einzufangen. Ich habe die beiden mal für euch ausgeschnitten.

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Mein Fazit

Zuhause wurde ich nicht erschlagen vom Alltagsleben nach dieser Auszeit, sondern ich hatte wirklich aufgetankt. Das, was ich in dieser Zeit erlebt hatte, all die Ruhe, die ich wahrnehmen durfte, war noch in mir und ich konnte gestärkt und gelassen nach Hause zurückkehren. Länger hätte ich es ohne meine Familie auch nicht ausgehalten.

Seit dem sind schon zwei Wochen vergangen. In dieser Zeit wurden wir alle wieder einmal gesundheitlich umgehauen, Emma leidet unter ihren Backenzähnen, wir haben einer Nachbarin dabei geholfen umzuziehen - ohne ihren Mann - und mir sind noch andere Dinge bewusst geworden, mit denen ich mich auseinandersetzen muss. Jeden Tag erwarten uns Herausforderungen. Hin und wieder war ich versucht zu verzweifeln, weil es alles einfach nur anstrengend zu sein schien. Aber es sind auch unzählige Geschenke zu finden. In jedem einzelnen Augenblick.

Diese vier Tage taten mir sehr, sehr gut und ich möchte versuchen, mir einmal im Jahr eine Auszeit zu nehmen. Aber ich möchte auch den Alltag genießen - ob leicht oder schwer, ob ausgeschlafen oder nicht. Ich möchte meine Freude nicht von Umständen abhängig machen. Das Leben ist ein Geschenk und als solches möchte ich es behandeln.

 

Meinen letzten Vormittag habe ich mit meinen Lieben in Maria Laach verbracht. Davon erzähle ich euch hier: Wiedersehensfreude.

4 Antworten

  1. Liebe Regina! Ich danke dir für diesen Bericht. Ich habe nach wie vor Scheu davor alleine weg zu fahren. Alte Geister, immer schon die Angst vorm Verlassen sein, verwurzelt in einem Trauma, da ich die ersten 9 Monate meines Lebens und später immer wieder alleine in sterilen Krankenhäusern lag. Ich habe keinen Mut, bin nach wie vor (wie ich dir schon persönlich schrieb) ausgebrannt. Weiß oft nicht weiter, verurteile mich dafür. Deine Worte taten mir gut, die persönlichen die du zu mir schriebst, aber auch diese hier. Alleine sein – ich fühle mich leider viel zu oft einsam in der Welt. Ich suche nach Nähe und etwas mehr bedingungsloser Liebe unter Menschen. Ich weiß, Gott alleine zählt. Gott weiß aber auch, das wir Menschen manchmal oder auch öfter Menschen brauchen, die uns auf bestimmten Wegen begleiten. Wie dem auch sei…. ich danke dir. Alles Liebe , Sandra aus dem derzeit sehr sehr wolkigen Sommerzimmer.

  2. Dein Bericht und die Bilder sind einfach nur wunderschön, Liebes! Ich hatte beim Lesen das Gefühl mittendrin zu sein und selbst ruhig zu werden, alles strahlt so einen tiefen Frieden aus. Danke, dass du es mit uns teilst!
    Ich muss so oft an dich denken, besonders, weil du mit deinen süßen Mädels gerade auf dem Kalender im Monat März drauf seid und immer, wenn wir abends mit den Kindern auf dem Bett sitzen, lesen und beten, schicke ich Gebete für dich und deine Lieben nach oben. Gott stärke dich jeden Tag aufs Neue und gebe dir Kraft, denn du hast so viel zu geben und ich weiß, dass es dich viel kostet und du Opfer bringen musst. Gott segne dich dafür!!

  3. Diese Leichtigkeit! Toll ich fühlte mich für ein Moment dort spazieren! Sehr schöne Bilder Regina!

    • Vielen Dank, Inna! Ich freu mich sehr, das von dir zu hören! Schreib mir doch bitte mal wie es euch geht 🙂

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