Trauerintervalle – 4 Jahre ohne Samuel

Außen ruhig und innen aufgewühlt.

Traurigkeit legt sich über mich, doch ohne Tränen.

Ich schwelge in Erinnerungen und bin glücklich und traurig und glücklich und traurig.

Schwere Augen, Schmerzen im Kopf und Unwohlsein im Bauch.

Zurückversetzt in die ersten Wochen ohne ihn.

Diese 54 Tage. Jedes Jahr auf´s Neue. Geburtstag, Todestag und jeder Tag dazwischen.

Damals war er bei uns. Heute ist er es nicht.

Inzwischen weiß ich, dass diese Sommerwochen besonders für mich sind.

Besonders sensibel oder empfindlich.

Ich habe wenig Kraft, doch häufig Kopfschmerzen.

Ich bin schnell entmutigt oder fühle mich abgelehnt.

Ich fange leicht an zu weinen wegen irgendwas. Und dann wollen die Tränen nicht fließen, wenn ich sie suche, um Erleichterung zu finden.

Wie soll man etwas beschreiben, das so voll ist von unterschiedlichen, teilweise konträren Gefühlen. Es ist nicht die Wolke des ersten Trauerjahres, aber ein Nebel, der mich durch diese Sommerwochen begleitet.

Ich wappne mich. Stelle mich darauf ein. Nehme mir Zeit, um zu trauern. Ich gehe allein zu seinem Grab, schreibe, singe.

Und trotzdem wehre ich mich.

Ich will nicht. Dass es wahr ist.

Diesen Artikel wollte ich schon vor Wochen schreiben, aber ich fand keine Worte. Keine Worte für irgendwas oder irgendwen. Ich wollte mich nicht mitteilen, niemanden sehen lassen, wie es mir ging. Alex wusste es. Und auch einige Freundinnen. Aber heute erzähle ich es euch. Damit ihr wisst, dass es sie gibt, diese Trauerintervalle.

Für jeden sehen sie anders aus, sind unterschiedlich lang und haben verschiedene Auslöser.

Das hier ist meine Geschichte.

Erzähle du nun deine.

Deinem Partner, deinen Eltern, einer Freundin oder einem Seelsorger. Oder schreibe mir. Erzähle deine Geschichte und schließe sie nicht in dich ein.

Hör auf, die Tränen wegzublinzeln. Hör auf, nach der nächsten Ablenkung zu suchen. Hör auf, dich vor Gottes Trost zu verschließen.

Lass los.

Lass dich darauf ein.

Lass los und der Nebel wird sich lichten.

2 Antworten

  1. Danke, liebe, mutige Regina!
    Und Du hast Recht. Mit Allem. Mit den Trauerintervallen. Mit dem Mitteilen. Mit der Art, wie jeder mit seiner Geschichte umgeht.
    Und Du bist trotz Deiner Schwäche und Grenzen so mutig und stark, dass Du mit Gott den Weg gehst und anderen hilfst und inspierierst.
    Ich weiß nicht, ob ich den Mut hätte (bzw. ich habe ihn NICHT!), meine Geschichte (die ist anders, aber auch schmerzvoll, hart und mit Hochs und Tiefs, die manchmal auch nach Jahren auftauchen) so öffentlich zu erzählen, zu teilen und meine Gefühle so ehrlich zu benennen.
    Es ist Menschenfurcht, die mich hindert. Obwohl es GUT ist, wenn man nur einem Menschen von Hundert damit hülfe.

    Ich bewundere Dich. Ganz ehrlich!

    Ganz liebe GRüße,
    Tina

    • Liebe Tina, ich weiß nicht, was ich antworten soll. Vielen Dank! Ich kann verstehen, dass du deine Geschichte nicht erzählen möchtest, denn ich erzähle ja auch nicht alles. Mit meiner Trauer kann ich offen umgehen, mit anderen Kapiteln aus meinem Leben nicht. Zum Teil, weil ich nicht das Gefühl habe, dass es dran ist, zum Teil auch, weil ich noch nicht so weit bin. Ich denke, Gott geht mit jedem von uns einen anderen Weg. Das Wichtigste ist doch, dass wir unsere Geschichte als die unsere annehmen bzw. loslassen, was uns belastet. Fühl dich lieb von mir umarmt, Tina!
      Alles Liebe, Regina

  2. […] wird es auf dem Blog beschenkt, der mich auch wegen unserer Geschichte mit dem kleinen Sohn, unserem Löwenherz, besonders […]

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