Wenn ich heute sterbe

Werde ich etwas bereuen?
Diese Frage wurde immer lauter, je mehr Gedanken ich mir machte. Ich hatte mich so intensiv mit dem Tod anderer und meiner Trauer auseinandergesetzt. Aber nun war ich im Rahmen meiner Fortbildung gezwungen, mich meinem eigenen Sterben zu stellen. Nicht, dass ich mich davor gedrückt hätte. Ich sah einfach nicht die Notwendigkeit, weil ich weiß, was danach kommt und weil mein Herz diese tiefe Sehnsucht nach dem Himmel in sich trägt.
Und doch: Als ich die Aufgaben für meine Fortbildung beantwortete, bzw. die entsprechenden Bücher las, spürte ich, dass da etwas ist, das ich nicht erwartet hatte: Angst. Nicht vor dem Danach, sondern vor dem Blick zurück auf mein Leben. Den folgenden Text habe ich für meine Hausaufgabe geschrieben:
"Wenn ich an mein eigenes Sterben denke, kommen gemischte Gefühle in mir hoch. Ein wenig Traurigkeit, weil ich noch einige Träume habe, die ich verwirklichen möchte und vor allem möchte ich meine Kinder groß werden sehen. Außerdem weiß ich, dass es schwer für sie und meinen Mann wäre, wenn ich nicht mehr bei ihnen wäre. Deshalb wünsche ich mir, dass es noch dauert, bis es tatsächlich so weit ist.
Wenn ich heute sterben würde, wäre ich etwas wehmütig, weil ich mich gern in verschiedenen Bereichen weiterentwickeln möchte. Ich wünsche mir, mein Leben jeden Tag ganz bewusst zu leben, aber es gelingt mir nicht immer und ich hoffe sehr, dass ich nicht viele Dinge zu bereuen haben werde, wenn ich sterbe. Ich muss zugeben, dass ich ein gewisses Unbehagen empfinde, wenn ich an den Sterbeprozess denke, weil es natürlich etwas Unbekanntes ist…“

Es sind drei Dinge, die mich beunruhigten, als ich diesen Text schrieb:

  • Die Frage: Was wird dann aus meinen Kindern?
  • Die Angst vor dem Unbekannten
  • Die Angst, etwas zu bereuen

Was wird aus meinen Kindern

Diese Frage beschäftigt nicht nur mich. Ich hatte auf Instagram und Facebook nachgehört und festgestellt, dass es vielen Mamas genauso geht. Deshalb habe ich direkt einige Gedanken dazu auf IGTV geteilt, die mir helfen, meine Sorgen um meine Kinder loszulassen.
Hier findest du das Video.

Die Angst vor dem Unbekannten

Ich weiß gern, was auf mich zukommt. Überraschungen mag ich einerseits sehr. Aber wenn es um unbekannte Situationen geht, bin ich gern vorbereitet. Die Antworten auf das Wie? Wann? Wo? bezüglich meines Todes kann mir niemand geben. Und auch wenn mir das Danach keine Angst macht, hab ich ein leicht mulmiges Gefühl, wenn es um den Sterbeprozess/-moment geht. Und wisst ihr was, ich glaube das ist ok. Und es ist auch ok, über unseren eigenen Tod zu weinen, obwohl wir wissen, dass ein sehr, sehr viel besseres Leben auf uns wartet.

Mein Mann ist da ganz anders. Er ist total neugierig. Allerdings weiß ich, dass es viele Menschen gibt, die große Angst vor dem Sterben haben. Das Unbekannte, der Kontrollverlust, das Loslassen, die Endgültigkeit können wirklich Angst machen.
Ich denke, der erste Schritt, mit diesen Gefühle umzugehen ist: ehrlich sein. Je größer die Angst, desto wichtiger ist es, sich jemandem anzuvertrauen.

Ich möchte Frieden im Herzen darüber finden. Wo bekomme ich ihn her?

„Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.“

(Philipper 4,8-9)

Ich darf meine Sorgen abgeben, meine Bitten zu Gott bringen und das alles mit Danksagung, weil mir bewusst ist, wie überwältigend groß und gut und fürsorglich er ist. Er schenkt mir seinen Frieden und bewahrt mein Herz und meine Gedanken in Jesus Christus. Denn sobald ich auf Jesus sehe, werden meine Fragen und Ängste klein. Ich weiß, dass er auch in unbekannten Situationen meine Hand halten wird. Und wenn es darum geht, diese Welt zu verlassen und mein neues Zuhause zu betreten, dann erst recht.
Ich habe in meinem Buch "Viel zu kurz und doch für immer" von dem Bild erzählt, das meine Erinnerungen an Samuels Sterben erneuert hat. Der Himmel streckte seine Arme aus, um ihn abzuholen. Das wird er auch für mich tun und egal, ob es plötzlich passieren wird oder langsam und schmerzvoll, dieser Moment wird ein einziges WUNDER sein.

Die Angst, etwas zu bereuen

In meiner Ausarbeitung schrieb ich weiter:
"Ich habe keine Angst vor dem Tod selbst. Ich habe jedoch Angst, dass ich Dinge zu bereuen habe: ungenutzte Chancen, Schuld und vor allem, dass ich zu viel Zeit mit unwichtigen Dingen vergeudet habe. Seit Samuels Tod habe ich angefangen, Dinge neu zu ordnen, Prioritäten richtig zu setzen, die Schönheit des Augenblicks zu suchen und mich für die Dinge stark zu machen, die wirklich zählen. Ich möchte nicht auf mein Leben zurückblicken und sehen, was ich hätte daraus machen können und dann erkennen, dass sich das stark von dem unterscheidet, was es letztlich geworden ist.“
Diesem Punkt möchte ich etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. Während es beim ersten um Vertrauen und Loslassen geht - wobei wir unsere Sorgen wohl nie ganz loswerden, denn sie gehören ein Stück weit zu unserer Mutterliebe dazu - und auf die Fragen des zweiten Punktes werden wir die letzten Antworten erst bekommen, wenn wir es erleben. Aber was das Bedauern angeht - das können wir verhindern. Dies ist ein Punkt, an dem wir arbeiten und uns vorbereiten können. Es geht darum, „richtig zu leben, um gut zu sterben.“

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

(Psalm 90,12)

Leider stellen sich die meisten Menschen erst kurz vor ihrem Tod die wirklich wichtigen Fragen oder denken erst über Prioritäten nach, wenn es zu spät dafür ist, etwas zu korrigieren. „Sterbende haben so viele Fragen, die schon viel früher hätten gestellt werden können, wenn sie sich bewusst gemacht hätten, dass sie eines Tages sterben müssen, wie wir alle“, schreibt Bonnie Ware, die in ihrem Buch von Menschen erzählt, die sie in den Tod begleitet hat. Es heißt "5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden".
In dem Buch "Dienstags bei Morrie: Die Lehre eines Lebens" von Mitch Album sagt der an ALS-erkrankte Morrie kurz vor seinem Tod über die wichtigen Fragen des Lebens: „So wie ich es sehe, haben sie mit Liebe, Verantwortung, Spiritualität und Bewusstsein zu tun. Und wenn ich heute gesund wäre, dann wären sie noch immer meine Themen. Sie hätten es schon viel früher sein sollen.“

Was ich aus den Erfahrungen anderer gelernt habe, fasse ich folgendermaßen zusammen: Es geht im Leben darum, die richtigen Dinge festzuhalten und die falschen loszulassen. Naja, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden natürlich.
Jim Elliot betete: „Vater, lass mich schwach sein, auf dass ich die Kraft verliere zum Umklammern von weltlichen Dingen.“ Oder auch vergänglichen Dingen. Dinge, die in der Ewigkeit keine Bedeutung haben. Selbst Menschen, die nicht an das ewige Leben glauben, kommen zu dem Schluss, dass materielle Güter und auch der berufliche Erfolg keine sonderlich große Bedeutung haben. Viel wichtiger sind die Dinge, die wir uns nicht verdienen können, die wir nicht kaufen können.
Wenn das Loslassen bloß nicht so schwer wäre. Seien es Gewohnheiten, die uns hindern, unsere Zeit sinnvoll zu nutzen, oder die Abhängigkeit von anderen Menschen oder falsche Annahmen, Lebenslügen, die uns davon abhalten, unser Potential auszuschöpfen. Wir halten daran fest, als gehörten diese Dinge zu uns. Dabei halten sie uns davon ab, wirklich wir zu sein. Frei zu sein für unser Ich, für andere Menschen und die Dinge, die wirklich zählen. Ich glaube, dass es die Strategie des Teufels ist, uns Menschen vom Leben abzuhalten, leider eine sehr erfolgreiche Strategie. Doch wir brauchen uns dem nicht beugen. Wir sind stärker. Nicht aus uns selbst heraus, sondern durch den, der in uns lebt: Jesus Christus hat uns frei gemacht:

"Ihr seid berufen, liebe Freunde, in Freiheit zu leben - nicht in der Freiheit, euren sündigen Neigungen nachzugeben, sondern in der Freiheit, einander in Liebe zu dienen."

Galater 5,13

Loslassen braucht Mut, weil es anstrengend ist, weil man mit Widerstand rechnen muss. Aber dann wartet die Befreiung, weil all das, von dem wir dachten, dass wir es unbedingt brauchen, eigentlich Lasten waren. Ein weiteres Zitat von meinem "Mentor" Jim Elliot (Seine Biografie gehört zu meinen All-Time-Favorit-Books: "Im Schatten des Allmächtigen"): „Der ist kein Narr, der hingibt, was er nicht behalten kann, auf dass er gewinne, was er nicht verlieren kann.“ Vom ihm können wir wirklich viel über die Sicht auf das Leben und das Sterben lernen: „Ich trachte nicht nach einem langen Leben, sondern nach einem erfüllten, gleich dir, Herr Jesus.“ „Durchtränke mein Wesen mit dem Öl des Heiligen Geistes, auf dass ich aufflammen kann. Aber eine Flamme ist vergänglich, oft von kurzer Lebensdauer. Kannst du das ertragen, meine Seele - ein kurzes Leben? … Flamme Gottes, lass mich dein Brennstoff sein.“

Kann ich es ertragen - ein kurzes Leben?

Ein langes Leben, Gesundheit, Sicherheit, Selbstverwirklichung - das sind keine Hauptsachen. Gott hat uns Menschen geschaffen, um Gemeinschaft mit uns zu haben, mit uns zusammen zu sein, uns zu lieben und sich lieben und anbeten zu lassen. Dafür sind wir hier. Außerdem hat er für jeden von uns einen Auftrag, eine Berufung und erst, wenn wir in der Beziehung zu ihm leben, bewusst in seiner Gegenwart sind und seinem Ruf folgen, dann werden wir zu denen, die wir im Grunde unseres Wesens sind, das ist wahre Selbstverwirklichung, die auf die Ehre Gottes ausgerichtet ist.

Wie gehen das nun an?
Wie können wir ein Leben führen, das wir nicht bereuen müssen? Die Bibel gibt uns viele Hinweise dazu, wie die Liebesgebote und Philipper 4:

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken! ... Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."

Matthäus 22,37-39

„Weiter, Brüder und Schwestern: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht! Was ihr gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut; so wird der Gott des Friedens mit euch sein.“

Philippe 4,8-9

Ich werde bald im zweiten Teil dieser Serie näher darauf eingehen, wie wir leben können, sodass wir nicht mit Bedauern auf unser Leben zurückblicken müssen. Doch ich muss mich von der Vorstellung verabschieden, dass es nichts geben wird, was ich nicht gern anders gemacht hätte. Ich werde nie perfekt sein. Doch Jesus ist gnädig mit mir und ich will es auch versuchen.

Grenzenlose Freude

Wenn ich heute sterbe, dann
… wird meine Familie umsorgt und getragen werden
… darf ich traurig sein und mich dennoch voller Freude von Jesus nach Hause führen lassen
… freue ich mich trotz meiner Fehler grenzenlos.

Ein letzter Auszug aus meiner Hausarbeit:
„Aber ich fühle auch Vorfreude auf das, was mich dann erwartet. Jesus zu begegnen. Liebe und Frieden, Freude in ungeahntem Ausmaß. Und meinen kleinen Jungen in die Arme schließen. Meine Schwester wiedersehen. Ich habe keine Sorgen, wenn ich an meinen Tod denke, weil ich mir ganz sicher bin, dass danach noch viel mehr Leben auf mich wartet, als es hier auf der Erde der Fall ist. Es wird keine Tränen, keine Krankheit, keinen Schmerz mehr geben. Alles wird neu sein. Eine neue Welt, heile Körper, gestillte Sehnsüchte. Es wird ein großes Fest.“

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